Kommunen wollen mehr Geld

Gemeinden fordern Gesamtkonzept für Flüchtlinge. Die Kosten seien nach oben geschnellt

Kiel. Die Kommunen in Schleswig-Holstein verlangen vom Land mehr Geld für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen, deren Zahl sich im vorigen Jahr auf 7600 verdoppelt hat. „Wir fühlen uns alleingelassen, weil wir nicht genügend unterstützt werden“, sagt der Geschäftsführer des Gemeindetages, Jörg Bülow. „Die Kommunen tragen die Hauptlast bei der Versorgung und Unterbringung.“ Sie bräuchten dafür zusätzliche Mittel. Insgesamt würde das jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen.

Doch es gehe nicht nur ums Geld, sagte Bülow. Hoch problematisch sei, dass Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster nur maximal zwei Wochen blieben. Die Kommunen hätten dann oft nur zwei Tage Zeit, sich auf die Menschen vorzubereiten, die ihnen zugewiesen würden. Benötigt werde ein Vorlauf von zwei Wochen. „Und die zentrale Aufnahmestelle muss so ausgebaut werden, dass die Asylbewerber dort mindestens sechs Wochen bleiben können.“ Dort müsse auch von Anfang an Sprach- und Integrationsunterricht erteilt werden.

„Dann kommen sie in die Gemeinden schon mit ersten Sprachkenntnissen und hätten elementare Informationen etwa darüber, wie sie Geld bekommen, wie Arztbesuche funktionieren oder auch über Mülltrennung“, sagte Bülow. „Wenn die Menschen auf solche Alltagsdinge etwas vorbereitet sind, würde dies Verwaltungen und ehrenamtlichen Betreuern sehr helfen.“ Benötigt würden eine Gesamtstrategie vom Land und mehr Unterstützung vor Ort. Bülow forderte für Gemeinden eine eigene Betreuungspauschale von etwa 200 bis 250 Euro je Flüchtling und Jahr. Einen Zuschuss im Volumen von 10 bis 15 Millionen brauchen die Gemeinden aus Sicht Bülows für gestiegene Unterkunftskosten.