Nicht mehr Wildkameras als nötig

Piraten wollen Fotofallen im Wald abbauen, wenn sie keinem wissenschaftlichen Zweck dienen

Kiel . Der zunehmende Einsatz von Kameras zur Überwachung von Wildtieren erhitzt im Norden die Gemüter. Die Piraten fordern eine Entfernung sämtlicher Wildkameras aus den Wäldern Schleswig-Holsteins, die keinen wissenschaftlichen Zwecken dienen. „Wir wollen einen Erholungs- und keinen Kamerawald“, sagte der Piraten-Abgeordnete Patrick Breyer. „Beim romantischen Waldspaziergang oder Pilzesammeln müssen Bürger vor Überwachung sicher sein.“

Bereits im vergangenen Jahr nahm Breyer die Wildkameras erstmals ins Visier. Mittlerweile überarbeitete das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) seine Hinweise für deren Einsatz. Nach Ansicht der Datenschützer überwiegt das Interesse der Waldbesucher an einem ungestörten Zugang zur freien Natur gegenüber dem Interesse von Jägern. „Der Einsatz von Wildkameras in öffentlich zugänglichen Räumen ist damit grundsätzlich unzulässig“, heißt es darin.

Nach Angaben des ULD ist der Einsatz in Ausnahmefällen aber möglich, beispielsweise zur Erfüllung der Hegepflicht, beispielsweise an Lockfütterungsstellen für Wild. Dabei muss aber eine Identifizierung von Personen ausgeschlossen sein. „Wanderwege, große und leicht zugängliche Flächen und Sitzgelegenheiten dürfen etwa nicht erfasst werden.“

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) kritisierte ebenfalls die Kameras: „Wer raus in Natur und Wald geht, sollte sich dort frei und unbeobachtet bewegen können und dabei nicht das Gefühl haben, heimlich von Kameras gefilmt zu werden.“ Daher begrüße er, dass das ULD hier klare Vorgaben mache. Es werde allerdings auch weiterhin die Notwendigkeit geben, Kameras zu platzieren, etwa für Naturstudien im Wald oder für Wolfsbeobachtungen. Das sollte aber auf das Nötigste begrenzt werden.

Breyer reicht das nicht. „Es kann nicht sein, dass wir selbst in unserer Freizeit und sogar im Dunkeln damit rechnen müssen, gefilmt oder fotografiert zu werden“, sagte Breyer. Er forderte ein Register aller Kameras zur Überwachung des öffentlichen Raums.

Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert unterstützt diese Forderung.