Neujahr im Norden

Tausende wagen sich zum Anbaden ins eisige Wasser

Das hat Tradition an den Küsten Norddeutschlands. In Wyk auf Föhr, in Büsum, auf Sylt, in Damp und auf Norderney überwanden Schwimmer beim Sprung und Lauf ins eisige Wasser den inneren Schweinehund.

Föhr/Norderney. Grauer Himmel und Wassertemperatur um die fünf Grad, die Luft nicht wirklich wärmer und dazu noch ein ordentlicher Wind: Für die meisten Menschen nicht das ideale Badewetter.

304 unerschrockene Schwimmerinnen und Schwimmer haben dennoch am 1. Januar in Wyk auf Föhr den Sprung ins eisige Meer gewagt. Angefeuert wurden sie dabei von mehr als dreimal so viel meist dick vermummten Zuschauer.

Für sie alle zählt das Neujahrsschwimmen zu den „coolsten“ Veranstaltungen. Sie treffen sich wie Tausende Gleichgesinnte in Büsum, Sylt, Damp oder anderswo alljährlich zum traditionellen Neujahrsbaden. In Wyk auf Föhr hat ein Neujahrsschwimmer sein T-Shirt mit dem Spruch „Nein is nicht kalt“ bedruckt und versucht so gegen den inneren Schweinehund anzukämpfen.

Am ersten Tag des neuen Jahres haben sich auch auf der Insel Norderney etwa 350 mutige Schwimmer in die gut 4 Grad kalte Nordsee gestürzt. Mehr als 4500 Zuschauer verfolgten das Spektakel warm eingepackt vom Strand aus.

„In diesem Jahr haben wir noch mal den Teilnehmerrekord vom letzten Jahr getoppt“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft auf Norderney, Norbert Harm. Nach dem Bad in der kalten Nordsee konnten sich die Teilnehmer im nahe gelegenen Wellenbad aufwärmen.

An vielen Orten in Niedersachsen und an der Nordseeküste ist das Anschwimmen am Neujahrstag mittlerweile Tradition. So auch in Butjadingen im Kreis Wesermarsch. Dort haben am Nachmittag rund 120 Unerschrockene bei 3 Grad Lufttemperatur ein Bad in der Nordsee gewagt. Auch am Seeburger See bei Göttingen sprangen rund 40 Schwimmer in das knapp 3 Grad kalte Wasser. Mehr als 300 Schaulustige sahen ihnen dabei zu.

Seinen Ursprung hat der kalte Badespaß vermutlich in den Niederlanden. Dort trafen sich eine handvoll Menschen zum ersten „Nieuwjaarsduik“ am 1. Januar 1960 am Strand von Zandvoort. Mittlerweile ist der eisige Badespaß auf die ganze niederländische Küste übergeschwappt.

Allein in Scheveningen gehen jedes Jahr rund 10.000 Holländer ins Wasser, im ganzen Land gab es an mehr als 80 Orten nach Schätzung der Organisatoren zuletzt rund 37.000 Neujahrsbader.