Personelle Konsequenzen nach Flucht eines Sicherungsverwahrten

Hannover. Nach der Flucht eines Straftäters im Trubel der Einheitsfeier in Hannover zieht Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) Konsequenzen: Künftig soll es landesweite Standards für Ausgänge von Gewalttätern und Sicherungsverwahrte geben. Außerdem bekommt das Gefängnis in Rosdorf bei Göttingen einen eigenen Leiter für die Abteilung, in der ehemalige Gefangene nach ihrer Haft auf unbestimmte Zeit in Sicherungsverwahrung sitzen. Die Justizvollzugsanstalt hatte dem 63 Jahre alten Flüchtigen den Ausgang in Begleitung einer Betreuerin erlaubt. Der Mann nutzte einen Gang zur Toilette zur Flucht – bis zum Montagnachmittag wurde er nicht gefasst.

Sichtlich ungehalten kritisierte Ministerin Niewisch-Lennartz in Hannover, sie habe keinerlei Verständnis für die Entscheidung der Anstaltsleitung, dem 63-Jährigen ausgerechnet am 2.Oktober einen Ausgang an den Maschsee zu gewähren, wo Zehntausende Menschen zum Tag der Deutschen Einheit ein Bürgerfest feierten. „Wir brauchen ein professionelles Risikomanagement“, sagte die Ministerin.

Der Sprecher der JVA wollte keine Stellung abgeben, Leiterin Regina-Christine Weichert-Pleuger war nicht zu erreichen. Der flüchtige 63-Jährige verbrachte bisher den größten Teil seines Lebens hinter Gittern. Verurteilt wurde er unter anderem wegen Totschlags. Direkt vor seiner Zeit in der Sicherungsverwahrung verbüßte er eine vierjährige Haftstrafe wegen schweren räuberischen Diebstahls. Nach aktueller Einschätzung von Gutachtern geht von dem Mann keine akute Gefahr aus – frühere Richter seien aber zu dem Schluss gekommen, für den 63-Jährigen nach der Haft Sicherungsverwahrung anzuordnen, so die Ministerin.

Erst Ende Mai hatte ein Straftäter aus Lingen bei einem Freigang eine 13-Jährige missbraucht.