Arzt sucht Vergleich im Steuerstreit

Es geht um rund acht Millionen Euro. Kieler Fall führte zu Rücktritt von Bürgermeisterin Gaschke

KIel. Nach dem Insolvenzantrag des Kieler Augenarztes Detlef Uthoff will sein Berater eine neue einvernehmliche Lösung im Steuerstreit mit der Stadt Kiel erreichen. „Ich glaube nicht, dass sich Professor Uthoff einem vernünftigen Vergleichsvorschlag entziehen würde“, sagte sein Generalbevollmächtigter Rolf Rattunde. Erste Gespräche mit Banken seien positiv verlaufen. Ein Treffen mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) soll nach dessen Urlaub stattfinden. Bereits in der kommenden Woche berät der vorläufige Gläubigerausschuss. Auch Kämpfer gehört dem Gremium an.

Uthoff hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt, weil ihm im Steuerstreit die Zahlungsunfähigkeit droht. Daraufhin ordnete das Kieler Amtsgericht ein sogenanntes Schutzschirmverfahren an. Dem eingesetzten Sachwalter Klaus Pannen sowie Uthoff und seinem Berater Rattunde bleiben drei Monate, nach Sanierungsmöglichkeiten zu suchen. Die von Uthoff betriebene Augenklinik Bellevue mit rund 160Mitarbeitern soll uneingeschränkt weiterarbeiten.

„Mit dem Schutzschirmverfahren möchte ich jahrzehntelange Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt und der Stadt beilegen, die nicht nur mich und meine Familie, sondern auch meine Mitarbeiter belasten“, so Uthoff. Er sprach von „erheblichen Anfeindungen“. Er habe sich selbst nichts vorzuwerfen: „Ich habe mir keine Steuern erlassen, sondern ich war daran interessiert, mit der Stadt eine Lösung zu finden“, sagte Uthoff.

Es geht um ausstehende Gewerbesteuern aus Jahrzehnte zurückliegenden Immobiliengeschäften in Höhe von 4,1 Millionen Euro und 3,7 Millionen Euro aufgelaufene Zinsen. Im Juli 2013 hatte die damalige Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) Uthoff die Zinsen erlassen. Im Gegenzug willigte der Augenarzt ein, 4,1 Millionen Euro an ausstehenden Gewerbesteuern abzustottern. Der Steuerstreit sorgte bundesweit für Schlagzeilen und führte zum Rücktritt Gaschkes.