1700 Beamte schützen 200 Neonazis

Auch 1000 Gegendemonstranten in Bad Nenndorf. Polizei lobt sie für weitgehend friedlichen Protest

Bad Nenndorf. Fast 200 Neonazis, mehr als 1000 Gegendemonstranten und 1700 Polizisten: Zum zehnten Mal erlebte der Kurort Bad Nenndorf am Sonnabend den Ausnahmezustand. Anders als in den Vorjahren verliefen die Kundgebungen und Aufzüge weitgehend friedlich.

Erfreulich aus der Sicht des DGB als Veranstalter der Gegendemonstration war vor allem, dass die Zahl der Neonazis deutlich hinter den Vorjahren zurückblieb. Sie haben aber den Versuch immer noch nicht aufgegeben, Bad Nenndorf in Nachfolge der früher üblichen sommerlichen Besuche am Grab von Rudolf Heß in Wunsiedel als zentrale jährliche Veranstaltung zu etablieren. Heß war Stellvertreter von Adolf Hitler als Vorsitzender der NSDAP, verurteilter Kriegsverbrecher. Das Grab in Wunsiedel wurde 2011 aufgelöst. In Bad Nenndorf ziehen die Neonazis jährlich vor das frühere Wincklerbad. Hier hatte die englische Besatzungsmacht 1945 ein Militärgefängnis eingerichtet, in dem es bis 1947 auch zu massiven Misshandlungen gekommen ist. Dafür hat sich Großbritannien nach Bekanntwerden schon vor vielen Jahren entschuldigt.

Im Gegensatz zum Vorjahr gelang es am Wochenende dem großen Polizeiaufgebot, den Aufmarsch der Neonazis und die Gegendemonstranten weitgehend voneinander zu trennen. Und anders als 2013 gelang es den Gegendemonstranten auch nicht, den Marsch der Neonazis zum Wincklerbad durch eine Sitzblockade zu verhindern. Die Polizei hatte die Routen der Umzüge und auch die Uhrzeiten der Demonstrationen so festgelegt, dass es zu keinem Aufeinandertreffen kam.

„Insgesamt friedlich“ sagte in seiner Bilanz der Einsatzführer der Polizei Frank Kreykenbohm. Er erinnerte daran, dass die Polizei den ordnungsgemäßen Ablauf von Demonstrationen ganz unabhängig von der Motivation der Teilnehmer sicherstellen müsse: „Dieser mitunter nicht einfachen Aufgabenstellung, sind wir voll und ganz gerecht geworden.“ Zur Bilanz des Tages gehöre aber auch, dass rund 350 Teilnehmer aus dem linken Spektrum zum Teil mit Gewaltanwendung versucht hätten, polizeiliche Sperrstellen zu überwinden.

Die Masse der friedlichen Demonstranten des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“ begleitete die Neonazis mit lauter Musik, Pfiffen und Sprechchören. Die Polizei lobte sie aber auch dafür, dass sie sich Störern aus dem eigenen Lager in den Weg stellten.