Landvolk streitet mit Minister

Es geht um Gebühren und immer neue Kontrollen. Niedersachsens Christian Meyer in der Kritik

Hannover. Der Konflikt zwischen dem grünen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer und dem Landvolk spitzt sich weiter zu. Nach Informationen des Hamburger Abendblattes hat es am Rande des Deutschen Bauerntages in Bad Dürkheim vor zwei Wochen ein Treffen der mehr als 80 Delegierten aus Niedersachsen gegeben. Dabei gab es Forderungen, Meyer künftig grundsätzlich nicht mehr einzuladen zu Veranstaltungen des Bauernverbandes, der in Niedersachsen immer noch Landvolk heißt. Dies wäre ein einmaliger Vorgang ausgerechnet im Agrarland Nummer eins der Bundesrepublik.

Regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen mit dem zuständigen Minister auch auf Kreis- und Ortsebene waren in der Vergangenheit unabhängig von der Parteizugehörigkeit des Ressortchefs eine Selbstverständlichkeit gewesen. Eine Sprecherin des Landvolk-Landesverbandes in Hannover bestätigte am Mittwoch auf Anfrage das Treffen: „Das ist aber ein relativ unverbindliches Gremium.“ Es habe deswegen auch keine Abstimmung gegeben. Aber sie räumte auch ein, es sei bei der Gelegenheit „kontrovers diskutiert worden. Und ein Thema war, wie der Herr Meyer in der Öffentlichkeit ankommt.“

In der Sache sind sich die Bauern im Landvolk weitgehend einig: Christian Meyer wird wahrgenommen als jemand, der die Landwirtschaft schlecht redet, mit immer neuen Kontrollen und Gebühren den Bauern das Leben schwer macht. Vielleicht schon bei der Mitgliederversammlung des Landvolks Ende des Jahres wird sich zeigen, ob die alte Führungsspitze unter dem Präsidenten Werner Hilse noch eine Mehrheit hat für ihren Versuch, dennoch mit der rot-grünen Landesregierung und damit eben vor allem mit Minister Meyer im Gespräch zu bleiben. Oder ob sich der Flügel durchsetzt, der eine offene Konfrontation mit dem grünen Minister will. Das Landvolk organisiert nach eigenen Angaben 90 Prozent der rund 40.000 Landwirte in Niedersachsen. Vor allem im Westen und Nordwesten des Landes liegen die Betreibe mit der hohen Viehdichte, der nachgelagerten Verarbeitungsindustrie, die für die landesweit niedrigsten Arbeitslosenquoten sorgen. Aber eben auch für Negativschlagzeilen garantieren wegen Überdüngung der Felder, der Verfütterung von viel Antibiotika und Niedrigstlöhnen für Arbeiter aus Osteuropa.

Dass Meyer in Zukunft kompromissbereiter wird, ist nicht zu erwarten. Er gehört dem starken linken Flügel der Landespartei an, ist dank seiner offenen Kritik mit Reizvokabeln wie Qualzucht und Massentierhaltung der mit Abstand bekannteste grüne Politiker in Niedersachsen.