Mutmaßliche NS-Verbrecher nicht mehr verhandlungsfähig

Hannover. Bei den Ermittlungen gegen drei mutmaßliche Wachmänner des KZ Auschwitz in Niedersachsen muss allenfalls noch einer mit einer Anklage rechnen. Die beiden anderen 89 und 90 Jahre alten Männer sind gesundheitlich so angeschlagen, dass ein faires Verfahren nach amtsärztlicher Untersuchung nicht mehr möglich ist, teilte die Staatsanwaltschaft in Hannover mit. Der dritte 92 Jahre alte Mann hatte sich zu den Anschuldigungen bereits in den Medien geäußert. Sein Verteidiger hat Akteneinsicht bekommen, über das weitere Vorgehen wird in den kommenden Wochen entschieden.

Den Beschuldigten, die im Raum Hannover, im Harz und in der Heide leben, wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Es kann nur Anklage erhoben werden, wenn sie noch verhandlungsfähig sind. Ein vierter wieder ins Visier der Justiz gerückter mutmaßlicher KZ-Wächter war bereits im Oktober in Osnabrück gestorben.

Nach dem Urteil des Landgerichts München gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk 2011 waren neue Untersuchungen der Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg in Gang gekommen. Für den Prozess war der Tatbestand der Beihilfe zum Mord neu definiert worden, eine individuelle Schuld des KZ-Wächters musste nicht mehr nachgewiesen werden. Danach wurden neue Ermittlungen gegen bundesweit rund 30 mutmaßliche frühere NS-Verbrecher angestrengt.