Reaktorunfall

Demonstration für sofortigen Atom-Ausstieg in Brokdorf

Zu einer „bunten Protestmeile“ am Mittag werden Hunderte Teilnehmer erwartet. Die Demonstration ist Teil bundesweiter Aktionen zum 28. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

Brokdorf. Atomkraftgegner wollen am Sonnabend im schleswig-holsteinischen Brokorf (Kreis Steinburg) für ihre Forderung nach dem sofortigen Aus des Kernkraftwerkes demonstrieren. Zu ihrer bunten „Protest- und Kulturmeile“ erwarten die Organisatoren Hunderte Teilnehmer aus ganz Norddeutschland.

Die Demonstration ist Teil bundesweiter Aktionen zum 28. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Weitere Proteste sind unter anderem an den Meilern Grohnde (Niedersachsen), Biblis (Hessen) und Neckarwestheim (Baden-Württemberg) geplant. Bereits vor einem Monat hatten Atomkraftgegner zum 3. Jahrestag der Fukushima-Katastrophe zu regionalen Demonstrationen aufgerufen. Atomkraft sei überflüssig, unwirtschaftlich und hoch riskant, begründen die Gegner ihre Proteste.

Im April 1986 war Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks explodiert, Tausende Tonnen radioaktiven Materials wurden in die Umgebung geschleudert. In Schleswig-Holstein gibt es drei Atomkraftwerke. Die Meiler in Brunsbüttel und Krümmel sind stillgelegt. Sie laufen nur noch im sogenannten Stillstandsbetrieb und dürfen mit der Atomgesetzänderung von 2011 nicht wieder ans Netz. Damit ist Brokdorf der einzige Meiler im nördlichsten Bundesland, der noch Strom produziert. Seine endgültige Abschaltung ist bis spätestens 2021 vorgesehen. Zu spät, meint das Bündnis von über 30 Initiativen, Verbänden und politischen Parteien, dass zu der Aktion unter dem Motto „fünf vor zwölf“ am Sonnabend nach Brokdorf geladen hat.

Schließlich würden die Atomkonzerne selbst über das Überangebot an Strom und die sinkenden Preise klagen. Aus diesem Grund habe die Eon als Betreiber des AKW Brokdorf bereits die vorzeitige Stilllegung ihres bayerischen Meilers Grafenrheinfeld beschlossen. „Eon muss jetzt auch für das AKW Brokdorf den Aus-Schalter drücken“, forderte Marianne Kolter von der Anti-Atom-Initiative Kreis Pinneberg. „Der Weiterbetrieb von konventionellen Kraftwerken wie Atom- und Kohlemeiler behindert die Energiewende und notwendige Investitionen in den Ausbau von intelligenten Stromnetzen und Speichertechniken“, sagte Gisela Wieneke von der Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND.

Auch Karsten Hinrichsen von „Brokdorf-akut“ bezeichnete den andauernde Betrieb des AKW Brokdorf als überflüssig und unverantwortliches Risiko: Derzeit werde am Meiler der Anti-Terrorschutz erweitert, um zu verhindern, dass Terror-Kommandos mit Hubschraubern auf den Dächern der Gebäude landen und mit Panzerwaffen auf die Reaktorkuppel feuern. „Anti-Terror-Schutz kann nur eins bedeuten: Brokdorf muss umgehend vom Netz“, sagte Hinrichsen.