Bismarck will insolventen Lübecker Flughafen übernehmen

Lübeck. Der Lübecker Geschäftsmann Björn Birr von Bismarck hat grundsätzliches Interesse signalisiert, den Betrieb des insolventen Lübecker Flughafens zu übernehmen. „Ich habe das Büro des vorläufigen Insolvenzverwalters, des Hamburger Rechtsanwalts Klaus Pannen, kontaktiert und hoffe, dass wir uns auf einen Termin in der nächsten Woche verständigen“, sagte Bismarck. „Sollte das Gespräch entsprechende Perspektiven aufzeigen, werde ich ein Angebot unterbreiten.“

Grundlage solle seine Bewerbung für den Flughafenbetrieb von 2012 sein. Damals hatte der Investor Mohamad Radyamar den Zuschlag erhalten. Birr erinnert nun an Eckpunkte seines Konzepts: Die Stadt solle 5,5 Millionen Euro für Investitionen geben und zehn Jahre auf Pacht verzichten. Die Zahl der festangestellten Mitarbeiter würde von 90 auf etwa 60 reduziert. Für eine Folgeanstellung der betroffenen Mitarbeiter wäre bei einem Medizintechnikunternehmen am Flughafen aber gesorgt.

Statt auf Billigflieger wie Ryanair würde der Flughafen auf Privat- und Geschäftsflieger setzen. Um sie anzulocken, soll eine Werkstatt für Flugzeuge wieder angesiedelt werden. Die Gewerbeflächen des Flughafens, etwa Hangars, seien zurzeit nur zu zehn bis 15 Prozent ausgelastet. Als Vorteil seines Konzepts nannte der Lübecker Geschäftsmann, dass ein Ausbau etwa der Start- und Landebahn nicht notwendig wäre. „Der Traum, dass Lübeck einen Großflughafen bekommt, ist geplatzt.“

Auch Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hofft auf eine Weiterführung des in Turbulenzen geratenen Flughafens. Er vertraue darauf, dass das Unternehmen mithilfe des Insolvenzverwalters zu einem geordneten und wirtschaftlich gesicherten Betrieb zurückfindet, sagte Saxe. Den Vorwurf, er habe bei der Übertragung des Flughafens an Investor Mohamad Radyamar Ende 2012 Fehler gemacht, wies er entschieden zurück.

Vertreter von CDU und Grünen werfen Saxe vor, schuld an dem Desaster des Flughafens zu sein, einige fordern seinen Rücktritt. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Im Vergabeverfahren habe ich nichts falsch gemacht“, sagte der Bürgermeister. Allerdings habe er die ausbleibenden Pachtzahlungen nicht ernst genug genommen. „Wir haben zwar jeden Monat eine Mahnung geschickt, doch im Nachhinein hätte ich das als Alarmsignal werten müssen.“ Die Stadt Lübeck wartet seit November auf Miet- und Pachtzahlungen in Höhe von insgesamt 189.000 Euro.