Angeklagter im Flensburger Mord war alkoholkrank

Ein Gutachter bescheinigte dem Kraftfahrer Hirnschäden, der seine Ex-Nachbarin tötete

Flensburg. Im Flensburger Prozess um den Mord an einer Führerscheinsachbearbeiterin hat ein Sachverständiger dem Angeklagten geistige Einschränkungen bescheinigt. Grund sei wohl jahrzehntelanger exzessiver Alkoholkonsum, sagte er vor dem Landgericht. Eine verminderte Schuldfähigkeit wegen einer krankhaften seelischen Störung sei nicht auszuschließen. Dem ehemaligen Kraftfahrer wird vorgeworfen, seine Sachbearbeiterin Ende April in ihrem Haus in Lürschau bei Schleswig erstochen zu haben, weil er sie für den Verlust seines Führerscheins verantwortlich machte.

Dem 57-Jährigen war zum zweiten Mal der Führerschein entzogen worden. Zudem hatte das 37-jährige Opfer, das einige Zeit die Nachbarin des Mannes war, ihn wegen Fahrens ohne Führerschein angezeigt. „Er fühlte sich ungerecht behandelt. Er sieht immer die Schuld nur in der Umgebung“, erläuterte der Gutachter. Durch den langjährigen Alkoholkonsum seien Hirnschädigungen eingetreten. Die Gedächtnislücke von elf Tagen rund um die Tat, die der Angeklagte geltend gemacht hatte, sei aber keine überzeugende Aussage. Das Verhalten sei geplant gewesen.

Der Gutachter stellte die Hypothese eines „Mitnahmesuizids“ auf, den der Mann habe begehen wollen. Der 57-Jährige hatte nach der Tat versucht, sich das Leben zu nehmen. Nach dem Führerscheinentzug, der Scheidung von seiner Frau und dem Zerwürfnis mit seinem Sohn habe er keinen Sinn mehr gesehen. „Es ist ein schlimmes Leben eigentlich, das er geführt hat.“ Diese Sichtweise bestätigte die Schwester des Mannes. Auch ihr gegenüber habe er gesagt, dass das Leben keinen Sinn mehr habe. Eine weitere Sachverständige sagte aus, DNA-Spuren unter den Fingernägeln des Opfers seien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dem 57-Jährigen zuzuordnen.