Grausige Spurensuche in Reichenau

Kommissar soll 55 Jahre alten Mann aus Hannover getötet haben. Polizei fahndet nach Leichenteilen

Dresden/Hannover. Noch ist nicht genau geklärt, warum ein 59-jähriger Geschäftsmann aus Hannover in einer kleinen Pension im Erzgebirge sterben musste. War es Mord oder Tötung auf Verlangen? Aufklärung soll auch die Obduktion der Leiche bringen. Doch noch sind nicht alle Teile gefunden worden.

Im grausigen Mordfall von Reichenau im Osterzgebirge geht die Spurensuche weiter. Nach einem Tag Unterbrechung nahmen Spezialisten am Montag die Untersuchungen am Tatort wieder auf, wo ein 55 Jahre alter sächsischer Polizist nach eigenen Angaben einen 59 Jahre alten Mann aus Hannover getötet und Teile der Leiche auf einer Wiese vergraben hatte. Den Fahndern soll der Polizist Stellen gezeigt haben, wo er Überreste seines Opfers verscharrt hatte.

„Es wird weitergesucht nach Leichenteilen“, sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase am Montag in Dresden. Seit vergangenem Freitag habe es auf dem Grundstück der Pension weitere Funde gegeben. Neue Erkenntnisse zu dem Fall lägen aber bislang nicht vor.

„Es wurden weitere Leichenteile gefunden. Einzelheiten werden aber nicht mitgeteilt“, bestätigte auch Marko Laske, Sprecher der Polizeidirektion Dresden. Dutzende Beamte seien in Reichenau im Einsatz. Die Spurensuche am Tatort, einem ehemaligen DDR-Ferienheim, wird laut Oberstaatsanwalt Haase voraussichtlich die ganze kommende Woche dauern. „Es ist ein riesiges Grundstück und ein großes Haus.“

Bei dem 55-jährigen Pensionsbesitzer handelt es sich um einen Hauptkommissar, der als Schriftsachverständiger für das sächsische Landeskriminalamt gearbeitet hat.

Laut Staatsanwaltschaft gab er an, den anderen Mann Anfang November auf dessen Verlangen hin getötet zu haben. Sexuelle oder kannibalistische Motive habe er zurückgewiesen. Der Mann sitzt unter Mordverdacht in Untersuchungshaft.

Spekulationen um Kannibalismus waren aufgetaucht, weil der mutmaßliche Täter und das Opfer sich auf einer entsprechenden Internetplattform kennengelernt hatten. Außerdem gaben mehrere Bekannte des getöteten Mannes bei der Polizei an, dass dieser nach eigenen Aussagen schon seit seiner Jugend die Fantasie gehegt habe, sich von einem Menschen töten und verspeisen zu lassen.