Arved Fuchs: „Russland will an Greenpeace Exempel statuieren“

Polarforscher attackiert Putin wegen des Falls „Arctic Sunrise“

Bad Bramstedt/Hamburg. Für den Polarforscher Arved Fuchs steht fest: „Russland wird in absehbarer Zeit kein Expeditionsziel für mich sein.“ Der erfahrene Expeditionsleiter war im Sommer fast zwei Wochen lang von den russischen Behörden in der Hafenstadt Murmansk festgehalten worden. Deshalb denkt der 60-Jährige aus Bad Bramstedt auch aktuell viel an die Besatzung des Greenpeace-Schiffes „Arctic Sunrise“. „Mit deren Festsetzung will Russland ein Exempel statuieren und eine außenpolitische Botschaft senden. Man will sich dort oben im Norden nicht in die Karten schauen lassen. Mögliche Beobachter sollen gründlich abgeschreckt werden.“

Russische Behörden hatten die „Arctic Sunrise“ nach einer Protestaktion der Greenpeace-Aktivisten in der Arktis im September beschlagnahmt. Die Mehrzahl der international besetzten 30-köpfigen Besatzung sitzt seitdem in Haft.

Die Festnahme hatte große Proteste ausgelöst. Die Niederlande als Flaggenstaat der „Arctic Sunrise“ haben den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg angerufen. Moskau boykottiert den Prozess, in dem am Freitag ein Urteil erwartet wird. Russland habe das Uno-Seerechtsabkommen 1997 nur teilweise ratifiziert, argumentiert der Kreml.

Arved Fuchs war Ende Juni mit seinem Haikutter „Dagmar Aaen“ vom norwegischen Tromsö aus nach Russland aufgebrochen. „Wir wollten nach Franz-Josef-Land, um gemeinsam mit der Verwaltung des Nationalparks Russische Arktis nach historischen Spuren und Camps früherer Polarexpeditionen zu suchen und die klimatischen Veränderungen zu dokumentieren“, sagt der Forscher. Aber man habe die Rechnung ohne den russischen Inlands-Geheimdienst FSB gemacht.

„Wir hatten alle Papiere und Genehmigungen, aber der FSB wollte uns nicht ziehen lassen. Es gab immer neue Hürden und Schikanen“, sagt Fuchs. Nach knapp zwei Wochen im Kohlenhafen von Murmansk bekam Fuchs die Ansage, dass es für ihn und die „Dagmar Aaen“ nur ein Reiseziel gebe. „Und das war Norwegen.“

Im nächsten Jahr will Fuchs seine Ziele gen Süden verlegen. „Expeditionen machen nur in Ländern Sinn, die kalkulierbar sind. Das ist Russland zurzeit leider nicht.“