Erst Sex, dann heimtückischer Mord

Freundin wollte ihn verlassen. 21-Jähriger zu acht Jahren und sechs Monaten Jugendhaft verurteilt

Kiel. Für den heimtückischen Mord an seiner früheren Freundin ist ein 21-Jähriger zu acht Jahren und sechs Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Das Kieler Landgericht sprach den jungen Mann schuldig, seine Freundin am 8. April bei Lentföhrden im Kreis Segeberg im Auto mit einem Messerstich in den Rücken getötet zu haben. Der wuchtige Stich drang 11,5 Zentimeter tief in den Körper ein und durchtrennte die Lungenschlagader der jungen Frau. Sie verblutete.

Der damals 20-Jährige raste davon und wurde wenig später von einer Motorradstreife angehalten. Wegen Blutspuren am eigenen Körper und am Fahrzeug wurde er festgenommen. Der junge Mann gestand sofort. „Der Angeklagte ist des Mordes schuldig“, sagte der Vorsitzende der Jugendstrafkammer, Jörg Becker. „Er hat sie vorsätzlich und letztlich geplant getötet.“ Dabei nutzte der damals 20-Jährige aus, dass ihm seine gleichaltrige Freundin arg- und wehrlos den Rücken zuwandte. Ihr Körper fiel nach dem tödlichen Stich aus dem Wagen. Der Mann ließ sie auf dem Feldweg liegen, bevor er davonfuhr.

Nach Feststellungen des Gerichts kam der reifeverzögerte junge Mann nicht damit zurecht, dass seine Freundin sich von ihm trennen wollte und zugleich eine gute Beziehung zu seiner Mutter behielt. „Er spürte, dass er sie verlor. Das konnte er nicht ertragen“, so der Richter weiter.

Der Mord geschah „vor dem Hintergrund eines schweren narzisstischen Gekränktseins“. Ob der Angeklagte aus Eifersucht, Wut oder Verzweiflung handelte, blieb vor Gericht offen. Fest steht: Der damals 20-Jährige glaubte, seine Freundin habe einen anderen Mann.

Der Täter und das Opfer waren seit ihrem 16. Lebensjahr ein Paar. „Bis zum tragischen Ende gab es immer wieder Trennungen. Immer wieder kamen sie zusammen.“ Sex spielte demnach eine bedeutende Rolle in der Beziehung. Auch unmittelbar vor dem Mord hatten beide – trotz Trennung – noch Sex im Auto, bevor der Angeklagte – wie am Vortag geplant – heimtückisch zustach. Die Tat hatte er davor schon einmal beabsichtigt, aber dann gezögert.

Die Angehörigen der Toten waren Nebenkläger in dem Verfahren. Sie fielen sich nach dem Urteil weinend in die Arme. Aus dem Publikum hieß es: „Das Strafmaß ist doch viel zu wenig.“ Die Jugendstrafkammer blieb um ein halbes Jahr unter dem Strafantrag des Staatsanwalts. Der hatte neun Jahre Jugendhaft beantragt, zeigte sich aber zufrieden mit dem Urteil. Verteidigung und Nebenklagevertreter hatten keinen konkreten Strafantrag gestellt.

Der Angeklagte galt zur Tatzeit als Heranwachsender, wegen seiner Unreife falle er unter Jugendstrafrecht, sagte Becker. Ihm sei aufgrund seiner Persönlichkeit, „für die er nichts kann“, der Blick für die Gefühle anderer verstellt. Trotzdem sei er voll schuldfähig.

Das Gericht erkannte ebenso wenig wie der Staatsanwalt auf eine besondere Schwere der Schuld. „Wenngleich wir den Wunsch der Nebenklage nach Sühne natürlich durchaus verstehen, so liegt juristisch kein Fall der besonderen Schwere der Schuld vor“, hieß es vor Gericht weiter. Bei einer besonderen Schwere der Schuld wäre eine Höchststrafe von 15 Jahren Haft möglich gewesen.