Von Emden nach New York – Schau zeigt vergessenen Auswandererhafen

Emden. Das lukrative Geschäft mit Auswanderern in den Häfen von Hamburg, Bremen und Bremerhaven machte vor 100 Jahren auch in Ostfriesland Eindruck. Der Bau von Auswandererhallen sollte 1913 auch in Emden die Voraussetzung für regelmäßige Passagierfahrten in die USA schaffen. Eine am Sonntag eröffnete Sonderausstellung in den Pelzerhäusern des Ostfriesischen Landesmuseums zeigt jetzt die noch weitgehend unbekannte Geschichte der Auswanderung in Ostfriesland von 1845 bis 1914 und die fast vergessene Rolle Emdens als Auswandererhafen.

Im Mittelpunkt stehen Biografien auf dem Höhepunkt der Auswandererwelle in den 1850er Jahren. Nach Angaben des Museums hat heute nahezu jede Familie in Ostfriesland Verwandte in den USA.

Die Schau „Blif hier, Johann! Wat wullt du in Amerika!“ (Bleib hier, Johann! Was willst du in Amerika!) beleuchtet das Geschäft mit den Wirtschaftsflüchtlingen und den Versuch der Seehafenstadt, sich neben Hamburg, Bremen und Bremerhaven als großer deutscher Auswandererhafen zu etablieren. Danach stieg seit der Mitte des 19. Jahrhundert die Zahl der Emigranten aus deutschen Ländern stetig an. Auch viele Ostfriesen suchten ihr Glück auf anderen Kontinenten, vor allem in Amerika. Bis zu sieben Prozent der Ostfriesen hatten allein bis zum Ersten Weltkrieg schon ihre deutsche Heimat verlassen.

Von 1905 an versuchte auch Emden, einen Auswandererhafen einzurichten. Die großen Reedereien in Hamburg und Bremen sahen jedoch zunächst ihre Interessen gefährdet. In einem Kompromiss dehnten die etablierten Reedereien Hapag und Norddeutscher Lloyd ihre Auswandererkonzession auf Emden aus. Sie verpflichteten sich, wöchentlich eine Passagierfahrt anzubieten und dazu Auswandererhallen zu errichten.

Im Frühjahr 1914 wurde die Auswandererlinie von Emden in die USA eröffnet. Doch es folgten nur sechs Fahrten mit verschiedenen Passagierschiffen. Drei Monate später stoppte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Auswandererlinie. Sie wurde nie wieder aufgenommen.