Autobahn A20

Franzosen wollen neuen Elbtunnel bauen

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Ulrich Exner

Der Konzern Vinci hat ein Angebot gemacht: Innerhalb von fünf Jahren will er die A20 fertigstellen und den Tunnel bauen - gegen rund zwei Euro Pkw-Maut.

Hamburg. Das Angebot ist ebenso überraschend wie verlockend: Innerhalb von fünf Jahren will der französische Infrastrukturkonzern Vinci, der mehr als die Hälfte des französischen Autobahnnetzes betreibt, die Autobahn A20 zwischen Bad Segeberg und Bremerhaven komplett fertigstellen – inklusive eines Abzweigs nach Hamburg (A26) und eines neuen Elbtunnels, der den Fluss zwischen Glückstadt und Drochtersen unterqueren soll. Im Gegenzug will sich das Unternehmen auf 50 Jahre große Teile der auf dieser Strecke anfallenden Lkw-Maut sichern. Am neuen Elbtunnel selbst soll darüber hinaus eine Mautstation für Pkw und Lkw errichtet werden.

In dem sogenannten Private-public-Partnership-Modell, das dem Abendblatt vorliegt, ist vorgesehen, dass sich Vinci und der Bund die projektierten Gesamt-Investitionskosten von rund zwei Milliarden Euro teilen. Der Steuerzahler würde auf diesem Weg zunächst nur die Hälfte der für den Weiterbau der A20 fälligen Kosten übernehmen. Auf der anderen Seite verlöre er die auf dieser Strecke zu entrichtenden Mauteinnahmen und müsste außerdem in Kauf nehmen, dass der neue, circa 6,5 Kilometer lange Elbtunnel nur gegen Zahlung einer Gebühr zu befahren ist.

In dem Entwurf, den Vinci in dieser Woche dem Kieler Verkehrsministerium vorgelegt hat, würde die einfache Fahrt durch den Tunnel nach derzeitigem Geldwert zwei Euro für Pkw und zwölf Euro für Lkw kosten. Hinzu müsste man die bis zu einer Eröffnung anfallenden Inflationsraten rechnen. 25 Jahre lang will Vinci die so erzielten Einnahmen zu 100 Prozent zur Refinanzierung nutzen, weitere 25 Jahre nach einem noch auszuhandelnden Schlüssel zwischen Bund und Vinci geteilt. Nach 50 Jahren würden Autobahn und Tunnel – so das Modell der Franzosen – wieder an den Bund fallen.

Alternativ zur halb privaten, halb öffentlichen Finanzierung des gesamten Autobahnabschnittes zwischen Segeberg und Bremerhaven legen die Franzosen auch ein Modell vor, in dem sie lediglich den neuen Elbtunnel selbst finanzieren und betreiben. Der Nachteil: Die Kosten für die einfache Tunneldurchfahrt stiegen auf 4,75 Euro pro Pkw und gut 27 Euro pro Lkw. Ein Szenario, das aus Sicht von Vinci schon wegen der Höhe der Tunnel-Maut große Risiken mit sich brächte. Der Konzern plädiert deshalb für eine Mischfinanzierung aus Lkw- und Tunnelmaut.

Bemerkenswert an den Plänen der Franzosen ist vor allem das Tempo, in dem das rund 150 Kilometer lange Autobahnteilstück fertiggestellt werden soll. Bei einem projektierten Baubeginn im Jahr 2015 will man die vierspurige Straße inklusive des neuen, ebenfalls vierspurigen Elbtunnels bereits im Jahr 2020 fertiggestellt haben. Das wäre deutlich zügiger als jeder derzeit debattierter Weiterbau. Der Koalitionsvertrag der rot-grün-blauen Kieler Koalition von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sieht lediglich vor, das Teilstück zwischen Bad Segeberg und der A7 bis zum Jahr 2017 fertigzubauen. Alles Weitere möchte man einer Nachfolge-Regierung überlassen.

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