Der Minister im Kuhstall

Robert Habeck, Chef des Agrarressorts in Schleswig-Holstein, informiert sich über Rinderzucht

Felm. Schweinemast, Rinderzucht, Viehtransport, Schlachtung, Wurstproduktion – Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erkundet auf seiner Sommertour die Nutztierhaltung in all ihren Aspekten. Am gestrigen Donnerstag besuchte der Politiker einen Milchkuhbetrieb in Felm bei Kiel, einen Bullenstall in Gönnebek und eine Besamungsstation in Schönböken.

Der Agrarminister will sich ein Bild davon machen, wie die Tiere in seinem Bundesland gehalten werden, und warum die Landwirte bewusst jeweils die von ihnen praktizierten Methoden anwenden und eben keine anderen.

Diese ganze Woche ist Robert Habeck in Schleswig-Holstein unterwegs. Er wolle einen „öffentlichen Diskurs führen über die Gegebenheiten der Nutztierhaltung und ihre Auswirkungen auf Mensch und Tier“, hatte der Grünen-Politiker angekündigt. Robert Habeck fordert, dass die Nutztiere art- und bedürfnisgerecht leben.

Die Tiere dürften keinen negativen Umwelteinflüssen ausgesetzt sein oder unnötig leiden. Zugleich hat der Landwirtschaftsminister die ökonomischen Zwänge im Blick, denen die Landwirte ausgesetzt sind. Die Milchbetriebe stünden meist unter einem so hohem Wettbewerbsdruck, dass Kühe und vor allem Mastferkel oder Hühner meistens im Stall gehalten werden.

Robert Habeck plädiert für eine „realistische Betrachtung“: „Wenn die Verbraucher weiter viel Fleisch für wenig Geld essen wollen, werden wir nicht um eine industriell geprägte, intensive Nutztierhaltung von sehr vielen Tieren in den Betrieben umhinkommen“, sagte der Minister nach seinen gestrigen Besuchen. „Aber die Haltung muss dem Tierwohl und der Umwelt verpflichtet sein. Das ist leicht gesagt, doch es zu erreichen, ist schwierig.“

Die Masttierbestände im Norden sind in den vergangenen gut drei Jahrzehnten deutlich gesunken – ebenso die Zahl der Betriebe. Dafür stieg die Zahl der Tiere im einzelnen Betrieb stark. Gehörten 1979 noch 27 Milchkühe zu einem Durchschnittsbestand, so waren es 2010 schon 72. Bei Schweinen gab es eine Zunahme von 120 Tieren auf 930. Die Gesamtzahl der Rinder sank um mehr als 400.000. Bei den Milchkühen gab es ein Minus von 150.000 Tieren, bei Schweinen einen Rückgang um fast 300.000 Tiere.