Sohn ersticht Mutter im Wahn – Krankenschwester klagt Ärztin an

Lübeck. In seinem Kopf tobte der Wahnsinn. Er hörte Stimmen, die ihm befahlen, seine Mutter zu töten. Er gehorchte. Nun wurde der Prozess gegen den 31-Jährigen aus Geesthacht vor dem Landgericht fortgesetzt.

Wegen seiner psychotischen Störung sei die Einsichtsfähigkeit des Mannes zur Tatzeit mit großer Wahrscheinlichkeit aufgehoben gewesen, sagte der Gutachter. Eine Krankenschwester berichtete am Donnerstag, der 31-Jährige habe nur Stunden vor der Tat im Krankenhaus um Hilfe gebeten. „Er wollte nicht allein sein und mit jemandem reden“, sagte die Zeugin.

Am 2. Januar hatte der Mann seine Mutter in ihrer Wohnung in Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg getötet. Mit einer Schere habe er etwa 60-mal auf sie eingestochen, mindestens 16 Stiche hätten das Herz getroffen, sagte der Gerichtsmediziner in seinem Gutachten. Zuvor habe er mit einer Holzlatte auf die Frau eingeschlagen und ihr Streifen der Haut vom Kopf gezogen. Der Tod sei durch Verbluten eingetreten, stellte der Gerichtsmediziner fest. In der Nacht vor der Tat war der 31-Jährige in die Psychiatrie des Johanniter-Krankenhauses in Geesthacht gebracht worden, nachdem er in einem Linienbus von seinem Vorhaben berichtet hatte, seine Mutter zu töten. Die Krankenschwester, die ihn damals in Empfang genommen hatte, sagte am Donnerstag, er habe ängstlich und verwirrt gewirkt. „Er bat um Hilfe, sagte, er wolle zurück in die Realität und nicht mehr diese Stimmen hören“, sagte die 43-Jährige. „Als ich ihn in sein Zimmer brachte, redete er was von Gott und von Engeln, die unter uns seien. Sein Blick machte mir Angst“, sagte die Zeugin aus. Doch die diensthabende Ärztin habe ihr kaum zugehört, als sie ihr das berichtet habe. Am nächsten Morgen ließ die Ärztin den 31-Jährigen gehen. Gegen die Medizinerin wird wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

Der Beschuldigte müsse jetzt erst einmal zur Ruhe finden und mit der Tat klarkommen, sagte der psychiatrische Gutachter. „Dann wird sich zeigen, ob es gelingt, seine psychotischen Denkmuster durch Medikamente in den Griff zu bekommen.“ Die Verhandlung wird am 2. Juli mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt.