Kleinflugzeug abgestürzt

Rotenburg: DNA-Tests sollen Identität der Toten klären

| Lesedauer: 5 Minuten
Daniel Herder und Ines van Rahden

In Kiel gestartete Propellermaschine schlug in der Nähe von Rotenburg auf einem Acker auf und explodierte. Für die vier Insassen des Kleinflugzeugs kam jede Hilfe zu spät.

Bötersen. Erst sind nur leise Motorengeräusche zu hören, dann ein Rauschen in der Luft - als hätte jemand eine Gasflasche aufgedreht. Schließlich ein lauter Knall. Kurz darauf steht das einmotorige Propellerflugzeug aus Kiel, das zur Landung auf dem Flugplatz in Rotenburg angemeldet war, in Flammen. So haben Anwohner den Absturz beschrieben, der sich am Freitag in Bötersen im Landkreis Rotenburg (Wümme) ereignet hat. Vier Männer sind dabei ums Leben gekommen.

Am Freitagmorgen ist es diesig in Rotenburg, zudem regnet es. Gegen 9.15 Uhr beobachten Mitarbeiter der Bötersener Firma Industrieservice Müller am Jeerhofer Weg, wie das Flugzeug am Boden zerschellt, sie alarmieren sofort Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. "Wir haben einen lauten, dumpfen Knall gehört. Wenig später konnte man schon die Flammen sehen", sagte eine Mitarbeiterin dem Abendblatt. Die Ortswehren aus Sottrum und Rotenburg rücken mit 48 Rettern und zwölf Fahrzeugen aus, ihnen bietet sich ein grausiges Bild: Das zerschellte Wrack brennt lichterloh. Den Brand hat die Feuerwehr zwar schnell im Griff; für die vier Insassen, die am Morgen vom Flughafen in Kiel Richtung Rotenburg (Wümme) gestartet waren, kommt aber jede Hilfe zu spät: Sie sind in dem Wrack, das am Ortseingang von Bötersen nahe der Kreisstraße 202 auf einem Acker aufschlug, verbrannt. Um die Identität der bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen zu klären, müssen vermutlich DNA-Untersuchungen durchgeführt werden, sagte Heiner van der Werp, Sprecher der Polizeiinspektion Rotenburg (Wümme). Seit Freitagmittag ermitteln zudem Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), warum die Propellermaschine abstürzte. "Unser Team ist vor Ort, um Zeugen zu befragen, Fakten zusammenzutragen, die Wrackteile zu sichten, Radardaten auszuwerten. Die Untersuchung des Unfallhergangs wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen", sagte BFU-Sprecher Jens Friedemann.

Das Turboprop-Flugzeug vom Typ TBM 700 des französischen Herstellers Socata, das bis zu fünf Passagieren plus einem Piloten Platz bietet, war am Freitag um 8.46 Uhr vom Flughafen in Kiel-Holtenau gestartet. An Bord: drei Passagiere und ein Pilot. In Rotenburg sollte das kleine Geschäftsreiseflugzeug vor dem Weiterflug nach Friedrichshafen zwischenlanden, um zwei weitere Passagiere aufzunehmen. Offenbar war der Flug bis zum Absturz völlig reibungslos verlaufen. "Der Pilot stand in Kontakt mit unseren Lotsen", sagte Anja Naumann, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Bremen. Der Mann sei zunächst nach Instrumentenflugregeln geflogen, sei also fortlaufend durch Lotsen beispielsweise über andere Maschinen im Luftraum informiert worden. Während des Fluges habe er keine Probleme gemeldet und standardmäßig kurz vor der angekündigten Landung in Rotenburg (Wümme) auf Sichtflug umgestellt, so Naumann.

Neben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat auch die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Noch ist allerdings völlig unklar, warum die Maschine abstürzte. "Was wir sagen können, ist, dass es zum Zeitpunkt des Absturzes in dieser Gegend sehr diesig war", sagte Polizeisprecher Heiner van der Werp. Gegen die eingeschränkten Sichtverhältnisse als Absturzursache spricht allerdings, dass Flugzeuge vom Typ TBM 700 standardmäßig mit einem Wetterradar ausgerüstet sind - so kann der Pilot die Wetterverhältnisse in Flugrichtung voraus überwachen. Augenzeugen berichteten indes, dass der Motor der Maschine beim Landeanflug ausgefallen sei, andere wollen sogar gesehen haben, dass das Flugzeug bereits in der Luft brannte.

Die in Kiel stationierte TBM 700 gilt als kleines und mit einer Reisegeschwindigkeit von 550 Kilometern pro Stunde äußerst schnelles Flugzeug. Die in Kiel ansässige Charterfirma bietet das Flugzeug für Ziele in Deutschland und Europa an. Spezialisiert hatte sich der Betrieb auf kleine und mittelgroße Flugplätze. Verchartert wurde nach dem "Münchner Modell" nur das Flugzeug, freiberuflich tätige Piloten würden aber auf Anfrage vermittelt - sofern der Kunde über keinen eigenen Piloten oder einen Pilotenschein verfüge, heißt es dort weiter.

Immer wieder kommen Menschen bei Unfällen mit Kleinflugzeugen ums Leben - so stießen im Dezember 2012 zwei Maschinen nördlich von Frankfurt zusammen, acht Menschen, darunter vier Kinder, starben. Im September verunglückten zwei Insassen tödlich beim Absturz einer zweisitzigen Maschine bei Warbelow (Landkreis Rostock). Anfang April stürzten ein 52-Jähriger und seine 23-jährige Tochter bei Haselau (Landkreis Pinneberg) wegen eines Motorschadens mit einem Ultraleichtflugzeug ab - sie wurden bei dem Unfall schwer verletzt, kamen aber mit dem Leben davon.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Region