Niedersachsen

Familienclans beherrschen organisierte Kriminalität

Sicherheitsbehörden attestieren den kriminellen Clans in Niedersachsen eine hohe Gewaltbereitschaft. Es mehren sich Straftaten in den Bereichen Körperverletzung, Diebstahl, Betrug und Rauschgiftkriminalität.

Hamburg. Kurdische Familienclans beherrschen nach einem Bericht des NDR-Politikmagazins „Panorama 3“ zunehmend die organisierte Kriminalität in Niedersachsen. Die Zahl der festgestellten Straftaten von Clans einer ethnischen Minderheit aus Südostanatolien habe sich in den vergangenen zehn Jahren von 100 auf 600 erhöht, heißt es in dem Bericht. Seien diese kurdischen Familien früher nur in den Großstädten aktiv gewesen, agieren sie den Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) zufolge heute außer in Hannover, Hildesheim, Braunschweig, Osnabrück und Salzgitter auch in Stade, Achim, Wilhelmshaven, Peine, Göttingen, Hameln, Lüneburg und Delmenhorst.

Die Familien würden den deutschen Rechtsstaat nicht anerkennen, sagte der LKA-Präsident Uwe Kolmey dem NDR-Magazin. Bedrohungen von Staatsanwälten und Richtern sowie die Einschüchterung von Zeugen habe in den vergangenen Jahren eine neue Dimension angenommen. „Der Rechtsstaat muss aufpassen, dass seine Grenzen nicht erreicht werden.“

Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer aus Hildesheim geht auch von einer gravierenden Zunahme des Problems aus. Beim Kokainhandel hätten diese Clans bereits die führende Rolle, sagte der Oberstaatsanwalt dem Politikmagazin. Zudem drohe die Gefahr einer Parallelgesellschaft. „Was innerhalb der Familien abläuft, erfahren wir nur ganz selten, weil die Familien ganz abgeschottet leben. Sie regeln Straftaten innerhalb der Familie oder mit anderen Sippen selbst. Das geht bis hin zur Blutrache, dass sie die Leute liquidieren, die die Familienehre beschmutzt haben.“

( (dpa) )

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