Atomkraftgegner

Demonstranten protestieren für Atom-Aus in Brokdorf

Bei der Protestaktion „fünf vor zwölf“ fordern die Atomkraftgegner das sofortige Aus des Kernkraftwerks in Brokdorf. Die Aktion fällt auf den 27. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl.

Brokdorf. Bei strahlendem Sonnenschein haben Atomkraftgegner am Sonntag in Schleswig-Holstein für das sofortige Aus des Kernkraftwerks Brokdorf im Kreis Steinburg demonstriert. Mit der Aktion zum 27. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sollte nach Angaben der Veranstalter an die Opfer erinnert und darauf aufmerksam gemacht werden, dass so etwas auch im AKW Brokdorf geschehen könne. Die Demonstration unter dem Motto „fünf vor zwölf“ war nicht auf Konfrontation angelegt: Vor den mehr als mannshohen Zäunen und Seitentoren des Brokdorfer Meilers verbreiteten Kleinkünstler, Straßenmusikanten und Chöre sowie atomkritische Infostände und Mitmach-Angebote eher eine Volksfest-Stimmung. Nach Angaben der Polizei waren zum Teil bis zu 800 Atomkraftgegner gleichzeitig auf der Veranstaltung.

Die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel sind stillgelegt und dürfen mit der Atomgesetzänderung von 2011 nie wieder ans Netz. Damit ist Brokdorf der einzige Meiler in Schleswig-Holstein, der noch Strom produziert. Er soll im Zuge des Atomausstiegs 2021 endgültig abgeschaltet werden. Das ist Kernkraftgegnern jedoch viel zu spät.

„Kaum ein Atomkraftwerk ist auf so unheilvolle Weise mit der Katastrophe von Tschernobyl verknüpft wie das in Brokdorf: Während das eine 1986 explodierte, ging das andere wenige Monate später allem Widerstand zum Trotz ans Netz“, sagte Marianne Kolter von der Anti-Atom-Initiative im Kreis Pinneberg. Das Bündnis „AKW Brokdorf abschalten“ kämpfe daher für eine sofortige Stilllegung des Meilers.

Stelzenläufer und andere Gaukler sorgten dann ebenso für friedliche Abschalt-Stimmung wie Straßenmusikanten. Sie hatten kämpferische Protestsongs sowie Blues und Shantys in ihrem Repertoire. Atomkraftgegner der „Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad“ aus Braunschweig fanden binnen Minuten ausreichend Freiwillige, die als lebendes Plakat für ein sofortiges Abschalten des Brokdorfer Meilers in weiße Overalls schlüpften. Kinder warfen ein paar Meter weiter mit Bällen deutsche Atomkraftwerke um: Wenn die Papp-Silhouetten auf dem Rücken lagen, kam der Schriftzug „ausgeschaltet“ zum Vorschein. „Wenn das man wirklich so einfach wäre“, seufzte eine Mutter.

(dpa)