Imame in Osnabrück

Weiterbildungsstudiengang für muslimische Vorbeter

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An diesem Dienstag treffen sich die 30 Absolventen aus ganz Deutschland nach zwei Semestern zu ihrer Abschlussveranstaltung.

Osnabrück. Die Ibrahim Al-Khalil Moschee in Osnabrück liegt direkt an einer vielbefahrenen Straße. Rund 250 Gläubige aus 80 Nationen kommen regelmäßig hierher. Doch das Gebäude ist unscheinbar - ein vierstöckiges 30er-Jahre-Wohnhaus in dunklem Grau-braun. Als Moschee ist es wie die meisten islamischen Bethäuser in Deutschland nicht zu erkennen. Abdul Jalil Zeitun findet das nicht schlimm. „Niemand soll Hemmungen haben, dieses Haus zu betreten“, sagt der Vorbeter in einwandfreiem Deutsch, und betont noch einmal: „Wirklich niemand“.

Zeitun hat in den vergangenen Monaten am bundesweit ersten Weiterbildungsstudium für Imame an der Universität Osnabrück teilgenommen. An diesem Dienstag treffen sich die 30 Absolventen aus ganz Deutschland nach zwei Semestern zu ihrer Abschlussveranstaltung.

Der gebürtige Syrer Zeitun, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt, ist ein Imam, wie Behörden, Ministerien und auch die führenden Islam-Wissenschaftler in Deutschland ihn sich wünschen: Er spricht deutsch, hat zahlreiche Kontakte in Politik und Kirche, seine Kinder haben katholische Kindergärten und Schulen besucht. Seine Predigten hält er auf Arabisch und Deutsch. Er ist schon lange angekommen in der deutschen Gesellschaft, und er ermuntert auch andere, sich zu integrieren.

Die Weiterbildung bedeutet ihm dennoch viel. Er habe viel Neues erfahren über moderne Religionspädagogik, Beratungsangebote von Diakonie und Caritas oder aktuelle theologische Diskussionen. Beeindruckt hat ihn vor allem die Zahl hochkarätiger Dozenten aus dem In- und Ausland. Auch ein langjähriger Imam könne noch viel lernen: „Ich will Vorbild sein für andere. Imame müssen sich auskennen in der deutschen Gesellschaft.“ Sie seien nicht nur Vorbeter, sondern Berater in vielen Lebensfragen: Familie, Schule, Beruf, Krankheiten. „Aber Imame sind auch Prediger. Imame können Stimmungen beeinflussen“, betont Zeitun.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) wünscht sich, dass Imame bei der Integration der Muslime helfen. Zudem solle der Staat Einblick haben, was in den Moscheen in Deutschland gepredigt wird. Deshalb unterstützt er die Pläne der Universität Osnabrück für eine vom Ausland unabhängige Imam-Ausbildung. Aus der dortigen Imam-Weiterbildung soll im kommenden Jahr der bundesweit erste deutschsprachige Bachelor- und Master-Studiengang für Imame werden. Ein ähnlicher Studiengang soll in Münster starten.

Nach Angaben des islamischen Religionswissenschaftlers und Initiator des Projekts Rauf Ceylan soll der Studiengang Imame befähigen, jungen Muslimen eine fundierte religiöse Bildung zu vermitteln und sie auf diese Weise gegen extremistische Strömungen zu immunisieren. Weltweit einmalig sei, dass muslimische Studenten einige Fächer gemeinsam mit Studenten der evangelischen und katholischen Theologie belegen könnten: „Das ist eine Riesenchance für beide Seiten.“

Der Studiengang sei auch ein wichtiger Beitrag zur Anerkennung der Muslime in Deutschland, ergänzt sein Kollege Bülent Ucar: „Identifikation mit der Hochschule und letztlich mit dem Staat funktioniert dann, wenn Muslime ein Stück ihrer Religion in diesem Staat verortet sehen.“

Die Ibrahim Al-Khalil Moschee in Osnabrück ist fast rund um die Uhr geöffnet. Das gilt ausdrücklich auch für Christen. Man muss nicht einmal Muslim sein, um dem mit der Moschee verbundenen Verein „Zentrum für Begegnung“ beizutreten. Oft führt der Imam selbst Besuchergruppen durchs Haus: Schulkinder, Studenten, Krankenschwestern. Er hat viele Kontakte zu umliegenden christlichen Gemeinden. „Jeder soll sich hier zu Hause fühlen“, sagt Zeitun und betont noch einmal: „Wirklich jeder.“ (spd/abendblatt.de)