Insolvente Reederei

224 Beluga-Mitarbeiter bekommen ihre Kündigung

Die Bremer Reederei Beluga wird abgewickelt: 209 Beschäftigte sind freiwillig gegangen, 224 weiteren wird jetzt gekündigt.

Bremen. Nach der Pleite der Bremer Beluga Reederei arbeitet der vorläufige Insolvenzverwalter Edgar Grönda eng mit dem amerikanischen Investor Oaktree zusammen. Der Mitgesellschafter der Beluga, der 49,5 Prozent der Anteile hält, sei der Einzige gewesen, der die Kosten zum Wiederanfahren der Schiffe übernehmen wollte, sagte Grönda gestern in Bremen.

Oaktree habe 20 Millionen Dollar (14,1 Millionen Euro) eingesetzt, um die Schiffe wieder flottzumachen. Bei der von Oaktree neu gegründeten Schwergutreederei Hansa Heavy Lift fahren jetzt sieben Beluga- und neun Oaktree-Schiffe, 50 ehemalige Beluga-Mitarbeiter arbeiten in den Unternehmen.

In Kürze werden 224 von vormals 671 Mitarbeitern vom Insolvenzverwalter ihre Kündigungen erhalten. 209 Beschäftigte hätten selbst gekündigt oder Aufhebungsverträge unterzeichnet. Mit der Staatsanwaltschaft bestehe ebenfalls eine enge Zusammenarbeit, sagte Grönda.

Dabei gehe es um die Aufklärung möglicher Straftatbestände und zivilrechtliche Ansprüche. So sollen nach der Eröffnung des Insolvenzverfahren 65 ausgewählte Beluga-Mitarbeiter die Abwicklung übernehmen - "auch als Wissensträger der Vorgänge der Vergangenheit, die die Insolvenz ausgelöst hat", sagte Grönda.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Beluga-Gründer Niels Stolberg und weitere Manager. Die Anzeige bei der Bremer Staatsanwaltschaft stammt von Oaktree, das sich durch gefälschte Unternehmenszahlen getäuscht sieht. Der in der Bilanz 2009 festgestellte Umsatz von 415 Millionen Euro sei "eins der großen Fragezeichen", sagte Grönda weiter. "Wir wissen nur eins, dass er nicht stimmt."

Zu Medienberichten, nach denen Oaktree in Gesprächen Stolberg um eine Rückkehr ins Unternehmen gebeten haben soll, sagte Beluga-Geschäftsführer und Oaktree-Mitarbeiter Roger Iliffe: "Als Berater brauchen wir Herrn Stolberg nicht, auch als Mitarbeiter nicht." Die Zukunftsaussichten für die neue Schwergutreederei, deren Geschäftsführer Iliffe bis zum Ende des Jahres sein soll, sieht er zurückhaltend. "Der Markt wird bis Mitte des Jahres 2012 schwierig bleiben." Dennoch soll die Flotte noch in den nächsten Monaten um weitere Neubauten auf 23 Schiffe ausgebaut werden.

Die sieben Beluga-Schiffe, von denen eins direkt zur Beluga Chartering gehört, sollen nach den Worten Gröndas an Oaktree verkauft werden, um die Insolvenzmasse von Beluga aufzustocken. Am Ende des Insolvenzverfahrens für die Beluga Chartering, der laut Grönda "wirtschaftlichen Drehscheibe der Gruppe", wird es das Unternehmen dann nicht mehr geben. "Das ist das Ziel des Verfahrens", sagte Insolvenzverwalter Grönda.