Archäologen fordern Rettung von Schiffswracks in der Ostsee

Sassnitz. Der Landesverband der Unterwasserarchäologen fordert ein stärkeres Engagement des Landes bei der Sicherung und Dokumentation der mehr als 1500 vermuteten Schiffswracks vor der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern. "Es besteht dringender Handlungsbedarf", sagte der Verbandsvorsitzende Kai Schaake. "Wir beobachten in den letzten Jahren einen zunehmenden Zerstörungsprozess." Stahlschiffe aus dem frühen 20. Jahrhundert brächen in sich zusammen. "Das Metall der Bordwände wird aufgelöst."

Auch Holzwracks seien zunehmend von der Zerstörung bedroht. Nicht nur der Schiffsbohrwurm setze den Wracks seit einem Jahrzehnt zu. Ein Teil der ehemals intakten Wracks sei durch Schleppnetze der Fischerei zerstört oder aus ihrem Fundzusammenhang gerissen worden, erläuterte Schaake.

Nur rund 200 der mehr 1500 bekannten Wracks sind nach Angaben des Verbandes bisher denkmalpflegerisch aufgenommen worden. Von einer wissenschaftlichen Dokumentation oder Sicherung sei man weit entfernt.

Die Archäologie im Land sei personell so schlecht aufgestellt, dass die Ressourcen nicht einmal ausreichten, um qualifizierte Anträge für Förderprogramme zu stellen. Allein im vergangenen Jahr habe damit das Land die Chance auf Förderung aus einem drei Millionen Euro umfassenden EU-Programm verstreichen lassen.

Um die finanzielle Basis für die Unterwasserarchäologie zu verbessern, müssten Stiftungen und private Geldgeber ins Boot geholt werden. Die Wracks seien Kulturgüter von nationalem und europäischem Rang, sagte Schaake.

Mittlerweile fehle es auch an qualifiziertem Nachwuchs für die ehrenamtliche Unterwasserarchäologie, weil die archäologische Ausbildung an den Universitäten unter dem Spardiktat des Landes gelitten habe.