Vattenfall verspricht Besserung

Energiekonzern will nach Panne in Brunsbüttel Informationspolitik ändern, um Lizenz zu behalten

Brunsbüttel. Der Energiekonzern Vattenfall geht nach der Atompanne in Brunsbüttel in die Offensive. Wie das Unternehmen gestern in Berlin mitteilte, sollen internationale Experten Vorschläge für eine bessere Informationspolitik machen. Vattenfall hatte bereits Mitte Dezember ein durchgerostetes Fass mit Atommüll entdeckt, das aber erst im Januar der Kieler Atomaufsicht mitgeteilt.

"Mit dieser verzögerten Weitergabe ist Vattenfall seinen eigenen Ansprüchen hinsichtlich schneller, umfassender und transparenter Information nicht gerecht geworden", gab der Konzern zu. Im Kieler Landeshaus wurde die Ankündigung, die Kommunikation zu verbessern, auch als Reaktion auf die laufende Zuverlässigkeitsprüfung Vattenfalls verstanden. Bei der Prüfung steht die Betriebslizenz Vattenfalls für die Reaktoren in Brunsbüttel und Krümmel auf dem Spiel. Nach Atomrecht ist ein Betreiber allerdings auf der sicheren Seite, wenn er nach einer Panne etwa die Betriebsabläufe ändert. Auf diese Weise hatte Vattenfall bereits nach dem Störfall in Krümmel 2007 eine Lizenzprüfung überstanden. Auch damals hatte es unter anderem Kommunikationsmängel gegeben.

Ungeklärt ist weiter, warum das 200-Liter-Fass mit schwach- und mittelradioaktivem Müll nach der Umfüllung in einen Transportcontainer große Löcher aufwies. Vattenfall hält es für möglich, dass der Schaden erst in der Umfüllanlage entstand. Die Fässer rotieren dort mit bis zu 100 Umdrehungen pro Minute und sind normalerweise nach drei Stunden entleert. Das Problemfass kam erst nach acht Stunden aus der Anlage. Gegen diese Selbstzerstörungstheorie spricht eine andere Erkenntnis. Demnach wurden an dem Fass bereits im Sommer 2011 Rostspuren festgestellt. Auch darüber wurde die Atomaufsicht nicht informiert.

Das Bundesumweltministerium lässt prüfen, ob auch in anderen Atomkraftwerken rostige Fässer lagern. Klar ist, dass der Atommüll frühestens 2019 im Schacht Konrad in Niedersachsen endgelagert werden kann. In Brunsbüttel sind bereits 650 Fässer in Konrad-Container umgefüllt, 600 stehen noch in sechs unterirdischen Kammern. Die Strahlung in den Kavernen (bis zu 500 Millisievert pro Stunde) ist ähnlich hoch wie im havarierten Meiler Fukushima. Grenzwerte für solche Lagerstätten gibt es nicht. Sie sind durch dicke Betonwände von der Außenwelt abgeschirmt und dürfen nicht betreten werden.