Neonazi wird nach Totschlag Pastor

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Michael Evers

Johannes Kneifel brachte 1999 einen Mann um. Jetzt studiert er Theologie und kämpft gegen rechts

Eschede. An Konzepten im Kampf gegen Rechtsextremismus mangelt es in Niedersachsen nicht - aber an einem der norddeutschen Schwerpunkte der Neonazis in der Lüneburger Heide haben es Gegner nicht leicht. Seit Jahren versucht auch eine Initiative vergeblich, in Eschede einen Gedenkstein für einen 1999 von zwei Skinheads erschlagenen Mann zu errichten.

Einer der Totschläger von damals stellt sich inzwischen aber entschieden gegen rechts: Johannes Kneifel studiert Theologie und ist auf dem Weg, Pastor zu werden. In der evangelischen Kirche ist der Aussteiger regelmäßig Gast bei Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus. Wenn Kneifel redet, dann erinnert an dem 29-Jährigen nichts mehr an die rechte Vergangenheit.

Ruhig und konzentriert spricht er über das, was er damals von der Neonazi-Szene mitbekommen hat, von seinem Weg zu Gott und der Kirche, von Schuld und Vergebung. Gerade schreibt der Theologiestudent an seiner Lebensgeschichte "Vom Saulus zum Paulus". Kneifel ist 17, als er im August 1999 mit einem ein Jahr älteren Kumpanen die Tür des 44-jährigen Peter Deutschmann eintritt. Dieser hatte sich gegen das rechte Gebaren der Skinheads ausgesprochen. Angetrunken und aufgeputscht von rechter Musik prügeln die zwei auf ihn ein. Kneifel tritt mit seinen Springerstiefeln. Am nächsten Tag ist Deutschmann tot. Die beiden erhalten fünf Jahre Jugendstrafe. Im Gefängnis kümmert sich eine Kirchengemeinde um Kneifel, ihm gelingt der Ausstieg.

In Kontakt zu dem Theologiestudenten steht Pastor Wilfried Manneke, der im Netzwerk gegen Rechtsextremismus Südheide aktiv ist. "Wir wollen einen Gedenkstein für Peter Deutschmann aufstellen. Seit vielen Jahren haben wir die Zustimmung vom Rat der Gemeinde nicht bekommen." Ein Gedenkstein könne die Zerstörungswut der Rechten provozieren, hieß es.

Unterdessen ist Manneke selber Opfer mutmaßlich rechter Täter geworden; gegen sein Haus wurde Mitte Dezember ein Molotowcocktail geschleudert. Die Ermittlungen der Polizei kämen nicht voran, klagt er. Nach Aussagen des Staatsschutzes sei der aufgefundene Brandsatz noch immer nicht kriminaltechnisch untersucht worden - das Labor sei überlastet.

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