Schleswig-Holstein

Aktion gegen Mobbing an Schulen gestartet

In den Projektwochen sollen die Schüler lernen, ein vertrauensvolles Klima aufzubauen, Konflikte zu lösen und gemeinsam Mobbing abzuwehren.

Kiel. Viele Kinder haben auch in Schleswig-Holstein vor Mitschülern mehr Angst als vor der nächsten Mathearbeit: Jeder sechste Schüler wird Schätzungen zufolge von Klassen-„Kameraden“ gehänselt, schikaniert und ausgegrenzt. Die Opfer fühlen sich tief gekränkt, ziehen sich zurück, gehen nur noch ungern zur Schule oder schwänzen sie gar, nicht wenige werden richtig krank. Vor diesem Hintergrund hat das Bildungsministerium gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) eine Anti-Mobbing-Aktion gestartet. Sie zielt darauf, dass jede weiterführende Schule für die Klassen 5 und 7 eine Projektwoche gegen Mobbing anbietet. Erfahrungen aus Hamburg zeigen, dass sich das Klima in allen Klassen verbessert hat, in den die Aktion lief.

„Mobbing ist inzwischen leider ein Massenphänomen“, sagte TK- Landeschef Johann Brunkhorst am Donnerstag in Kiel. In den Projektwochen sollen die Schüler lernen, ein vertrauensvolles Klima aufzubauen, Konflikte zu lösen und gemeinsam Mobbing abzuwehren, erläuterte Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP). „Der Bedarf ist groß, das sehen wir nicht zuletzt an der positiven Resonanz der Schulen auf unser Angebot. In Mobbing seien im Grunde alle Schüler involviert, ob als Täter, Opfer oder Zuschauer, sagte Brunkhorst. „Mobbing führt zu großem Leid und kann dramatische Folgen für die Kinder haben.“ Die Opfer hätten ohne Hilfe kaum eine Chance.

Bis zum übernächsten Schuljahr soll die Initiative „Mobbingfreie Schule – gemeinsam Klasse sein“ alle infrage kommenden 500 Schulen im Land erreicht haben. Sie richtet sich präventiv an die Klassen 5 und 7, weil Mobbing in den Klassen 6 bis 8 am stärksten ausgeprägt ist. Die Aktion sieht vor, dass speziell fortgebildete Lehrer im „Tandem“ mit Schulsozialarbeitern in die Klassen gehen – ausgerüstet mit einem „Anti-Mobbing-Koffer“. Dieser enthält ein umfangreiches Paket aus Materialien, vom Flyer für die Eltern über ein Lehrerhandbuch bis hin zu Filmen mit typischen Mobbing-Szenen. Insgesamt 1100 solcher Koffer stehen zur Verfügung. (dpa/lno)