HSH Nordbank: Irreführende Angaben im Geschäftsbericht

Das verdiente der Nordbank-Vorstand wirklich

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Andreas Dey

"Gesamtbezüge" lagen offiziell bei 3,577 Millionen. Tatsächlich flossen 4,927 Millionen. Aufsichtsrat verweigert zunächst Entlastung, Nonnenmacher soll bleiben.

Hamburg. "Transparenz" ist im Zusammenhang mit der HSH Nordbank derzeit ein häufig verwendetes Wort. "Transparenz", danach streben die schlingernde Bank selbst und die Mehrheitseigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein, die ein weiteres Desaster wie im Jahr 2008 verhindern wollen, als die Bank 2,7 Milliarden Euro Verlust machte. Doch schon im aktuellen Geschäftsbericht herrscht ausgerechnet an einer pikanten Stelle statt Offenheit Verwirrung - bei den Vorstandsgehältern.

"Die Gesamtbezüge des Vorstands beliefen sich im Geschäftsjahr 2008 auf 3,577 Millionen Euro", heißt es dort. Ein Satz, der eigentlich an Deutlichkeit nichts zu wünschen lässt. Wäre da nicht eine kleine Unkorrektheit: Tatsächlich ausgezahlt wurden 4,927 Millionen Euro. Das bestätigte HSH-Sprecher Rune Hoffmann auf Abendblatt-Nachfrage. Diese Zahl lässt sich zwar aus dem Bericht herausrechnen, explizit erwähnt wird sie nicht.

Warum nicht? Hoffmann: "Es handelt sich um eine aufwandsbezogene Darstellung", das entspreche internationalen Bilanzierungsregeln. Erklärt wird der Vorgang aber nicht, ebenso wie die Verteilung der Summe auf die Vorstände. Im Jahr 2008 schwankte deren Zahl zwischen fünf und sieben.

"Das ist irreführend und nicht im Interesse der Bank und der Anteilseigner", kritisiert SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher. Er ist selbst auf eine weitere Ungereimtheit gestoßen: Die Vorstandsbezüge für 2007 seien im Geschäftsbericht 2007 mit rund sechs Millionen Euro angegeben worden, im aktuellen Bericht jedoch mit 9,492 Millionen. Tschentscher will mit einer Kleinen Anfrage an den Senat nun klären, wie die Bezüge tatsächlich zu verstehen sind. Joachim Bischoff, Finanzexperte der Linkspartei, vermutet, dass "mit verdeckten Strukturen gearbeitet" wird. Tschentscher und Bischoff haben die Sorge, dass die künftig auf 500 000 Euro im Jahr gedeckelten Vorstandsgehälter durch die Hintertür durch Bonuszahlungen erhöht werden sollen. Die hatte die Bürgerschaft als Bedingung für ihre Zustimmung zu dem 13-Milliarden-Rettungspaket der Länder untersagt. Der CDU/GAL-Senat hatte sich aber darüber hinweggesetzt und Boni in Abhängigkeit vom Unternehmenserfolg in Aussicht gestellt.

GAL-Fraktionschef Jens Kerstan hält diese Regelung für sinnvoll, weil Boni zum Beispiel nur fließen, wenn die Zehn-Milliarden-Garantie der Länder nicht in Anspruch genommen werde. Das sei im Sinne der Steuerzahler. Die Ausweisung der Vorstandsbezüge hält er auch für verbesserungswürdig: "Ich bin für volle Transparenz", sagt Kerstan, er würde es begrüßen, wenn exakt ausgewiesen würde, welcher Vorstand wie viel verdient hat.

Da derzeit noch von Anwälten untersucht wird, inwiefern die Vorstände zuletzt "pflichtgemäß" handelten, schlug der HSH-Aufsichtsrat gestern nach eigenen Angaben der morgen tagenden Hauptversammlung vor, die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats zu vertagen. So wolle man "jeden Anschein einer Präjudizierung" vermeiden", so der scheidende Aufsichtsratschef Wolfgang Peiner. Das sei aber kein "Ausdruck mangelnden Vertrauens" in den Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher. Im Gegenteil sei der Aufsichtsrat - auch der künftige Vorsitzende, Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper - mit Nonnenmacher sehr zufrieden und wolle ihn langfristig an die Bank binden.

Unterdessen hat die Landesregierung in Kiel laut "Lübecker Nachrichten" ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sich mit Vertretern der Opposition im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss beschäftigt. Demnach könnten FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, Monika Heinold (Grüne) sowie zwei SSW-Abgeordnete aus dem PUA gedrängt werden, weil sie auch im Beirat der HSH, einem Beratungsgremium, sitzen. Im Hamburger PUA könnten Peter Tschentscher (SPD) und Joachim Bischoff (Linke) davon betroffen sein.

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