Hi-Fi-Anlage

Die neuen Lautsprecher: So wird das Haus zum Konzertsaal

Thomas Carstensen im Wohnzimmer von Familie H., wo Lautsprecher und Sideboard aufeinander abgestimmt sind.

Foto: Andreas Laible

Thomas Carstensen im Wohnzimmer von Familie H., wo Lautsprecher und Sideboard aufeinander abgestimmt sind.

Wer beste Akustik erleben will, darf Lautsprecher nicht verstecken. Muss man auch nicht – sie passen sich perfekt an die Umgebung an.

Hamburg.  Manchmal ist es so gemein: Des einen Leid ist des anderen Freud! Zum Glück darf man in diesem Fall feststellen, dass zumindest beide Parteien davon profitiert haben. Familie H., weil sie jetzt exakt das Klangerlebnis zu Hause hat, von dem sie immer geträumt hat. Und Thomas Carstensen, weil er einen Kunden gefunden hat, der es ihm ermöglicht, sein ganzes Wissen und Können unter Beweis zu stellen.

Im Haus von Familie H. stehen jetzt nämlich in jedem Raum, in dem Musik gehört werden soll, die dazu passenden Lautsprecher – perfekt abgestimmt auf die Raumgröße, den jeweiligen Sitzplatz und das bestehende Ambiente.

Und wer jetzt denkt, das sei unbezahlbar, der irrt. Carstensen bietet seine High-End-Lautsprecher, handgefertigt in einer ehemaligen Kaffeerösterei und Margarinefa­brik im Hamburger Hafen, unter dem Namen Inklang und online zu Preisen ab 900 Euro an.

Das Paar vertraute lange den Versprechungen einer Firma

"Wir haben nahezu das gesamte Sortiment seiner Lautsprecher in unserem Haus stehen", sagt Walter H., während er per Fernbedienung die zwei gut 1,20 Meter hohen Lautsprecher – sozusagen die Topmodelle der Kollektion – im gut 50 Quadratmeter großen Wohnzimmer des Hauses ertönen lässt. Ganz schön viel Raum nehmen die beiden dort ein. Links und rechts vorm Fernseher stehend, erscheinen sie zusammen mit weiterem Equipment und dem farblich dazu passend abgestimmten Sideboard (gefertigt von den Elbtischlern) ein wenig wuchtig. "Man muss Prioritäten setzen", sagt Thomas Carstensen, und Walter H. nickt bestätigend. "Wer das perfekte Klangerlebnis haben möchte, darf Lautsprecher nicht hinter Wänden und Decken verstecken."

Eine Erkenntnis, die Renate und Walter H. erst machen mussten. Und die sie viel Geld gekostet hat. "Um genau zu sein: So viel wie etwa ein Wagen der oberen Mittelklasse kostet", räumt der Wirtschaftsprüfer ein. So gern hätten sie den Versprechungen einer Hamburger Firma vertraut, die damit warb, einen tollen Klang zu erhalten, ohne dass Technik und Lautsprecher dabei zu sehen seien. Bei Familie H. schienen die Voraussetzungen dafür ideal: Immerhin planten sie gerade ihr neues Haus. Warum sollte das mit dem Einbau also nicht klappen?

Bei der Positionierung auf Dreieckverhältnis achten

"Um es kurz zu machen: Das Klangerlebnis war ernüchternd", bilanziert Walter H. "Alles hörte sich verschwommen an, irgendwie rauschend." Zu diesem Zeitpunkt glaubte das Ehepaar aber noch den Beschwichtigungen der Firma, alles werde gut, man müsse nur hier und da nachbessern. Es wurde zwei Jahre nachgebessert! Irgendwann wurde es im Haus still. Renate H. und ihr Mann hatten die Lust verloren, Musik zu hören.

Der Besuch des Showrooms der Firma Inklang im Stilwerk brachte Monate später die Wende: Thomas Carstensen erklärte Walter H., warum das Konzept mit Lautsprechern in den Wänden nicht funktionieren kann. "Schall breitet sich zum Glück kreisförmig aus. Baut man Lautsprecher in Decken ein, wird daraus eine stark gebündelte Schalldusche, unter der man stehen muss, wenn man etwas hören will." Im Idealfall müssten Lautsprecher deshalb immer so positioniert sein, dass ein Dreieckverhältnis zum Zuhörenden entstehe.

400 Furniere stehen zur Auswahl

Umso wichtiger wird damit ihr Design und ihre Anpassungsfähigkeit an das jeweilige Ambiente. Das weiß nicht nur Carstensen, dessen Lautsprecher im vergangenen Jahr mit dem German Design Award ausgezeichnet wurden. Darauf setzen auch Götz von Laffert und Jens Wietschorke. Die beiden Hamburger haben vor vier Jahren die Firma Lyravox gegründet – und verfolgen das ehrgeizige Ziel, mit ihrer Geräte-Manufaktur in der obersten Hi-Fi-Liga mitzuspielen.

"Wir sind echte Triebtäter. Wir wollen audiophile Botschafter der Hansestadt sein, die dem Musikgenuss in kultivierten Haushalten wieder einen angemessenen Stellenwert verschaffen", betont von Laffert. Die Anlagen sollen diesen Anspruch sowohl in klanglicher als auch ästhetischer Hinsicht erfüllen. "Hamburg ist Teil unseres Logos, es prangt auf jedem unserer Geräte, was Kunden in Hollywood, Hongkong und Moskau ebenso schätzen wie in München." Unzählige Möglichkeiten des Customizings (Anpassen an Kundenwünsche) würden darüber hinaus geboten. "Allein 400 Furniere stehen zur Auswahl", sagt von Laffert.

Ein System aus bis zu zwölf Lautsprechern

Wer den Showroom am Hopfensack 14 besucht, wird feststellen: Leider muss man dafür tief in die Tasche greifen. Preise für Lyravox-Systeme beginnen bei 12.000 Euro. "Dafür umfasst ein System aber schon bis zu zwölf Lautsprecher und acht Verstärker, gesteuert von hauseigener Elektronik – alles made in Germany", so der 50-Jährige – und ergänzt: "Bei dieser Materialschlacht garantiert die Expertise von Jens Wietschorke, dass höchster Musikgenuss erreicht wird." Der ist nämlich nebenbei Dozent für Lautsprecherakustik an der SAE Hamburg, der privaten Hochschule für Toningenieure, und hat viele Jahre vorher die Lautsprecherschmiede Mem­bran Audio in St. Georg betrieben.

Zurück zu Walter H.: Der dreht beim Hausbesuch seine Anlage voll auf. Jeder Atemzug von Pop-Ikone Adele ist zu hören. "Zuletzt entscheidet nur das: Dieses Gänsehautgefühl, das sich beim Zuhören von Musik einstellt."

www.inklang.de; www.lyravox.com (Anmeldungen erwünscht unter Tel. 32 08 97 98-0).

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