Hausbesuch

Manhattan-Gefühle in der HafenCity

Almut Felsenstein hat ihre Maisonettewohnung an der Osakallee geplant und eingerichtet

Almut Felsenstein hat ihre Maisonettewohnung an der Osakallee geplant und eingerichtet

Foto: Roland Magunia

Im Cinnamon Tower wohnt Architektin Almut Felsenstein zusammen mit ihrem Mann auf zwei Etagen. Den Wegzug aus ihrem Haus in Lokstedt bereuen die beiden nicht

Hamburg.  Diese Frau hat ein gutes Gespür dafür, wie es sich gut leben lässt. Und sie hat einen Faible für das Großstadtleben. Deshalb liebt Almut Felsenstein ihr neues Domizil im Cinnamon Tower, einem gut 70 Meter hohen Wohnturm an der Osakaallee. Hier bewohnen sie und ihr Mann eine Maisonette-Wohnung im fünften und sechsten Stock. Ein „Manhattan-Gefühl“ habe sie, erzählt die Architektin, sobald sie aus den 3,60 Meter hohen Räumen auf die gegenüberliegenden Gebäudefassaden schaue. „Wir könnten uns zwar alle gegenseitig in die Schlafzimmer schauen, aber das tun wir nicht“, ist sie sicher und führt dabei durch das „Erdgeschoss“ des gut 190 Quadratmeter großen Domizils, das auf dieser Ebene etwa 130 m2 Fläche bietet.

Mitten im Leben angekommen seien sie hier in der HafenCity, sagt Almut Felsenstein, die nahe München aufgewachsen ist und vor 24 Jahren ihr Herz an Hamburg verloren hat. „Ich liebe diese Stadt, die Elbe und das Gefühl, alle Beengtheit hinter mir gelassen zu haben“, erzählt sie und streckt dabei beide Arme weit aus. Es störe sie deshalb auch nicht, wenn sie von der Terrasse aus auf Industrieanlagen an der anderen Elbseite schaue. Oder wenn die Touristen zu ihr auf die Terrasse hochlugten und winkten, sobald sie an dem Wohnturm vorbeischipperten. „Ruhe habe ich genug gehabt“, sagt sie.

Etwas Neues musste passieren

Damit kommt die Architektin auf eine Zeit zu sprechen, in der sie mit ihrer Familie – die Kinder sind mittlerweile 22 und 20 Jahre alt und ausgezogen – in Lokstedt lebten. „Wir haben unser Haus dort geliebt, aber als die Kinder auszogen, wusste ich: Es wird Zeit für etwas Neues.“ Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, als sie eher zufällig im Überseequartier den Rohbau der Architekten Bolles+Wilson entdeckte. „14 Tage später haben mein Mann und ich uns diese Wohnung hier ausgesucht und gekauft.“ Die Höhe war ihr dabei wichtig: „Vom fünften und sechsten Stock aus hat man noch den Bezug zu Himmel und Erde.“

Passgenau ist alles in der Wohnung auf das Architektenpaar zugeschnitten. Almut Felsenstein legte großen Wert darauf, hier „frei schalten und walten“ zu können, wie sie betont. Wände wurden nur dort gesetzt, wo notwendig. In maßgefertigten Einbauten und Regalen verschwindet vieles. Trotzdem herrscht in der loftartig geschnittenen Maisonette mit den schwarz gerahmten deckenhohen Fenstern keine kühle Atmosphäre. Manches wirkt sogar ein wenig urig. Das liegt nicht nur an der Räuchereiche am Boden, sondern auch an den Fellen, die auf beiden Etagen verstreut zu finden sind. Vor allem Kuhhäute haben es der Süddeutschen angetan.

Eine Welt von Kosmopoliten

Ansonsten wird die Lust an Kunst überall spürbar: Bilder, Fotos und Zeichnungen, meist schwarz gerahmt, prägen die Wände. Viele davon auf Geschäftsreisen oder Kunstmessen wie der Affordable Art Fair in Hamburg aufgespürt. Darüber hinaus verbreiten Skulpturen aus Bali, der Lieblingsinsel des Paares, fernöstliches Flair. Auch im Bad der Architektin wird ihr Talent für Einrichtung sichtbar: Nicht nur wurde hier großflächig heller Naturstein aus Italien verlegt. Es gelang ihr auch, mittels einer schmalen Auslassung in der Wand zwischen zwei Spiegeln eine Art „Fenster“ mit Blick auf den Hafen zu inte­grieren. Sehr überraschend und raffiniert.

Auffallend auch die Hängeleuchte über dem Esstisch, die sie gemeinsam mit einem spanischen Büro entwarf. Sie schwingt bei Wind leicht mit. „Weil der zur HafenCity gehört“, sagt Almut Felsenstein. Gibt es etwas, was ihr am Quartier nicht gefällt? Nachdenken. „Ja, die Fassadengestaltung könnte raffinierter ausfallen“, sagt sie. Das gefalle ihr auch so gut am Cinnamon Tower: „Die Architekten haben das Thema Backstein aufgegriffen – und es gekonnt verfremdet.“ Auf eine gewisse Weise hat sich der Kreis mit der neuen Adresse an der Osakaallee für die Architektin geschlossen. Sie hat nämlich – dank eines Stipendiums – kurz in Japan gearbeitet. Die Art, wie dort Städte geplant werden, vermisst sie allerdings nicht.