HafenCity: Drei Herbergen und drei Boardinghäuser sind geplant

Ein neuer Hotelmarkt entsteht

Mindestens 1000 neue Betten. Konkurrenz für die etablierten Häuser?

In der HafenCity sollen einmal 12 000 Menschen wohnen und 40 000 arbeiten. Schon jetzt haben große Firmen ihre Büros dort. Neben Handel und Gastronomie werden in den nächsten Jahren auch die Hotelbetreiber nachziehen. In der HafenCity wird ein neuer Hotel-Standort entstehen für den bereits fünf Projekte feststehen, darunter zwei Nobel-Herbergen.

"Unser Haus wird etwas Besonderes", sagt Nikolaus Bieber, geschäftsführender Gesellschafter bei Groß & Partner. Das Frankfurter Immobilienunternehmen gehört neben ING Real Estate und Bouwfonds Property Finance zum Investorenkonsortium, das von der Stadt den Zuschlag bekommen hat, das Überseequartier zu bauen. Das Hotel, von er schwärmt, wird am neuen Kreuzfahrtterminal stehen, mit dessen Bau 2008 begonnen werden und das bis 2011 fertig sein soll.

"Eine faszinierende Architektur wird unser Hotel neben dem geplanten Science Center zum zweiten Ausrufezeichen an der Wasserfront machen", verspricht er. Details sind noch nicht klar. Nach einem Wettbewerb, bei dem die vier Architekturbüros Alsop (London), Prof. Friedrich (Hamburg), Henn (München) und Massimiliano Fuksas (Rom) ausgewählt wurden, haben die Investoren zunächst Fuksas gebeten, seinen eingereichten Entwurf zu optimieren.

Dieser wird auch von der HafenCity Hamburg Gesellschaft favorisiert. Die Ergebnisse sollen noch 2006 vorgestellt werden. Erst dann wird feststehen, ob aus "70 bis 80 Prozent aller rund 400 Zimmer" ein Blick aufs Wasser und die dort liegenden Kreuzfahrtschiffe möglich sein wird, wie es sich der Chef der HafenCity Hamburg Gesellschaft, Jürgen Bruns-Berentelg, wünscht. Auch ob es ein Vier- oder Fünfsternehotel wird, muss noch entschieden werden. "Das Projekt stößt bei international bedeutenden Hotelketten auf großes Interesse, sodass bereits erste konkrete Anfragen zum Betrieb des Hotels bei uns vorliegen", sagt Bieber.

Neben Sheraton und Hilton, die noch nicht in Hamburg vertreten sind, könnten auch spanische und italienische Hotelketten Interesse an der HafenCity haben, glaubt Christoph Härle, Experte von Jones Lang LaSalle Hotels. "Für die HafenCity ist die Liste der möglichen Betreiber lang", sagt er. "Die internationalen Ketten sehen sich auch in Hamburg die Objekte an, achten aber sehr auf die Risiken."

Fünf Sterne soll das Haus haben, das auf dem Kaispeicher A geplant ist. Es ist von den Architekten Herzog & de Meuron als östliche Ummantelung der beiden Säle und Foyers der Elbphilharmonie konzipiert und soll über 220 bis 250 Betten und einen großen Konferenzbereich verfügen. Das Hotel an der westlichen Spitze der HafenCity soll voraussichtlich 2011 den Betrieb aufnehmen.

Doch nicht nur die beiden großen Nobelhotels in der HafenCity sollen dafür sorgen, dass Hamburg-Besucher künftig im neuen Quartier übernachten können. Mindestens drei sogenannte Boardinghäuser kann sich Bruns-Berentelg im neuen Stadtteil vorstellen. Für zwei dieser Häuser, in denen Apartments mit Service für mehrtägige bis mehrmonatige Aufenthalte gemietet werden können, liegen bereits konkrete Pläne vor. Sie sollen im östlichen Teil der HafenCity, am Brooktorkai gegenüber dem geplanten Spiegel-Gebäude entstehen und als Viersternehäuser geführt werden. Für ein weiteres, zentral im Überseequartier liegendes Boardinghaus gebe es Überlegungen, sagte er.

Ein differenziertes Übernachtungsangebot sei für das neue Quartier wichtig, sagt Nikolaus Bieber. Die Projektentwickler würden großen Wert auf Vielfältigkeit in der Hotel-Landschaft der HafenCity legen.

Für Vielfalt sorgt das Projekt des Vereins Jugend hilft Jugend. Nach dem Vorbild des Stadthaus-Hotels in Altona plant der Verein in der HafenCity am Magdeburger Hafen am östlichen Ende des Überseequartiers ein kleines Hotel mit rund 80 Zimmern in der Drei-Sterne-Kategorie sowie einem Restaurant mit 120 Sitzplätzen. Der erste Spatenstich soll 2007 erfolgen. Die Kosten: 9,5 Millionen Euro. 1,8 Millionen Euro steuert die Stadt bei, eine Million Euro sollen aus Spenden kommen.

Die Hälfte der 90 Jobs in diesem Hotel werden Behinderte bekommen. Kai Wiese, Chef des Trägervereins: "Wir wollen Menschen in schwierigen Verhältnissen eine reale Chance auf wirkliche Integration geben." Als Gäste sollen aber nicht nur Menschen mit Behinderung oder Senioren willkommen sein, sondern alle.

Die neuen Hotels mit zusammen mehr als 1000 zusätzlichen Betten werden etablierten Häusern Konkurrenz machen. "Der Kuchen wird per se ja nicht viel größer", so Härle zum Abendblatt. "Neue attraktive Hotels werden zulasten älterer Häuser Gäste gewinnen, die qualitativ nicht mehr dem Standard genügen", sagt er.

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