Interessant für Investoren

Rothenburgsort mausert sich dank systematischer Stadtentwicklung. Der citynahe, grüne Stadtteil bietet preiswerten Wohnraum. Neue Gewerbeflächen sind geplant.

"Wenn der Stadtteil in diesem Tempo weiter wächst, ist die Kapazität bald erschöpft", sagt Rainer Westendorf (49). Der Stadtteil ist Rothenburgsort, und mit Kapazität ist die Versorgung vor Ort gemeint: Supermärkte, Restaurants, Freizeitangebote, öffentlicher Nahverkehr. Westendorf ist Hauswart bei der Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GWG) und kennt das Quartier: Von 1964 bis 1997 hat er hier gewohnt, dann zog es ihn aus privaten Gründen in ein Dorf im Umland. "Rothenburgsort ist im Grunde auch ein Dorf", sagt er. "Man kennt sich. Und man pflegt seine Traditionen." Einmal im Jahr gibt es den Rothenburger Dorfball, zu dem auch ehemalige Bewohner kommen. An den Markttagen trifft man sich auf dem Marktplatz. "Und in unserem Fußballverein FTSV Lorbeer hat Erwin Seeler, der Vater von Uwe Seeler, gespielt", betont Westendorf stolz. Rothenburgsort kennen die meisten - ohne es tatsächlich zu registrieren - vom Vorbeifahren: Wer die Neue Elbbrücke in Richtung Autobahndreieck Hamburg-Süd überquert, sieht auf der linken Seite das Forum Hotel, eines der neuen Wahrzeichen des grünen Stadtteils zwischen Elbbrücken und Tiefstack. Dass das Gebiet weiter wachsen wird, ist bereits beschlossene Sache: Am Billwerder Neuen Deich ist ein Bürokomplex geplant, das Elb Park Office. 20 000 Quadratmeter Büro- und Gewerbefläche sollen hier entstehen, Platz für bis zu 1000 Arbeitnehmer. 2004 soll das Gebäude bezugsfertig sein. Realisiert wird das Objekt von der Hamburger Firma Kommunal und Immobilien-Consultancy (k.i.c.) für einen Bauherrn aus Kerpen. Geschäftsführer Frank Kiefaber beurteilt den Standort positiv: "In Hinsicht auf seine Lebensqualität wird Rothenburgsort unterschätzt." Auch als Arbeitsplatz sei die Elbinsel attraktiv - wesentlich attraktiver zumindest als die City Süd, wo Kiefaber selbst arbeitet. "Wenn ich mir hier mittags zum Beispiel Kopfschmerztabletten kaufen will, muss ich lange laufen", sagt er. "In Rothenburgsort ist alles vorhanden: Apotheke, Schlachterei, Supermärkte, Drogerie." Dass der Stadtteil Potenzial hat, glaubt man auch bei der Drogerie-Kette Budnikowsky. "Wir haben unsere Filiale am Billhorner Deich von 160 auf 260 Quadratmeter aufgestockt", sagt Sprecherin Michaela Michael, "weil wir glauben, dass Rothenburgsort sich positiv entwickelt." Die Aufwertung hat System. Seit 1998 arbeitet die Hansestadt Hamburg zusammen mit dem Quartiersentwickler, der Bremischen Gesellschaft, an der Verbesserung von Wohn- und Lebensqualität für die rund 8000 Bewohner. So wird vor dem Elb Park Office eine Promenade geschaffen. Auf der gegenüber liegenden Halbinsel Entenwerder ist ein Spielplatz entstanden, daneben stehen Fußballtore und ein Volleyballnetz. Außerdem soll der Marktplatz umgebaut werden, die Pavillons verschwinden. Stattdessen wird ein Einkaufszentrum mit 4000 Quadratmeter Gewerbefläche entstehen. 1305 Wohnungen in Rothenburgsort gehören der GWG, ziemlich genau ein Drittel aller Wohnungen. Sie werden seit 1998 systematisch modernisiert, zwei Drittel der GWG-Wohnungen sind bereits fertig: Einbauküchen, moderne Sanitär- und Heizungsanlagen, neue Fenster und neue Fassaden machen die Wohnungen attraktiver. Trotzdem bleiben die Mieten stabil, denn die Sanierungskosten übernimmt zu 60 Prozent die Wohnungsbaukreditgesellschaft. 4,56 Euro beträgt die Nettokaltmiete im modernisierten Bestand zurzeit. Rainer Westendorf ist von der Entwicklung begeistert. Nur mit dem eigenen Büro ist der Hauswart noch nicht ganz zufrieden. Die Souterrain-Räume seien dunkel und etwas muffig, ein bisschen neue Farbe könnten sie auch vertragen. "Vor allem fehlt eine Wartezone", meint Westendorf, "damit die Mieter nicht bei Wind und Wetter vor der Tür stehen müssen."

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.