Hochtechnologie für Fassaden

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Moderne Farbanstriche zersetzen Staub, Ruß und organische Substanzen

Das Frühjahr ist die Zeit der frischen Farben. Auch viele Hausbesitzer sehen das so und planen einen Fassadenanstrich. Doch Farbe ist nicht gleich Farbe. Auf dem Markt finden sich zahlreiche interessante Innovationen.

"Es gibt fast von jedem Hersteller Neuentwicklungen", sagt Sven Tobaben, Lehrgangsmeister der Maler- und Lackierer-Innung Hamburg. Besonders interessant seien fotokatalytische Anstriche. Durch das darin enthaltene Titandioxid seien sie in der Lage Staub, Ruß und andere organische Substanzen zu zersetzen und chemisch abzubauen. Die Fassaden blieben so länger sauber. Dazu zählen unter anderem die neuen Fassadenfarben Marke "Schöner Wohnen" des Herstellers Brillux. "Konventionelle Anstriche halten etwa fünf bis zehn Jahre, fotokatalytische rund fünf Jahre länger", so Tobaben. Die Farben seien für Putze und Fassaden mit Vollwärmeschutz geeignet.

Weitere Innovationen gibt es auch im Bereich der Silikonharzfarben. Sie sind stark Wasser abweisend und witterungsbeständig. Auch wenn die meisten Hersteller mittlerweile Produkte dieser Art im Angebot hätten, setze das Produkt Lotusan der Sto AG die Maßstäbe. "Die Farben, die bereits seit zehn Jahren auf dem Markt sind, werden permanent weiterentwickelt", erklärt Tobaben. Die Schmutz abweisende Oberfläche sorge dafür, dass ablaufendes Regenwasser an der Fassade Schmutzpartikel, Algen und Pilzsporen zum größten Teil einfach abspült. "Bei Einsatz dieser Hightech-Farben entstehen etwa 20 bis 30 Prozent Mehrkosten", so Tobaben weiter. Die amortisierten sich aber schnell durch die längere Haltbarkeit.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem aus der Natur in die Technik übersetzten Lotus-Effekt entwickelten Ingenieure des Unternehmens auch einen Fassadenputz mit diesen Eigenschaften. Er sei besonders geeignet als Schlussbeschichtung für energiesparende Fassadendämmsysteme, so Sto-Sprecherin Silke Lanthaler.

Einen neuen Trend sieht der Experte der Hamburger Maler- und Lackierer-Innung auch, wenn es um die Vielfalt der Farben geht. Dabei sollte besonders auf die Qualität bei dunkleren Farben in Verbindung mit dem Standort des Hauses geachtet werden. "Bei zahlreichen Produkten gab es bislang schon Probleme mit starkem Ausbleichen", so Tobaben. Dies sei bei den Neuentwicklungen, etwa der Firma Caparol, nun nicht mehr der Fall. Caparol Produktmanager Stefan Kairies erklärt die Funktionsweise: "Die neue Farben-Generation basiert auf der sogenannten Nano-Quarz-Gitter-Technologie." Dank dieser speziellen chemischen Struktur der Farbe seien die einzelnen Farbpigmente optimal verteilt und dabei sicher und stabil in das Bindemittel eingebunden. Die Farbe sei damit sehr licht- und witterungsbeständig. Ausführliche Tests hätten das vor der Markteinführung bestätigt.

Neues gibt es auch im Bereich der transparenten Holzlasuren. "Bislang konnte man Holzfassaden nicht farblos beschichten, da die UV-Stabilität bei transparenten Lasuren nicht gegeben war. Die Zersetzungsprodukte der Farbe schadeten dem Holz", erklärt Tobaben. Mit neueren Produkten, wie sie zum Beispiel die Firma Gori anbietet, sei das nun möglich, da sie ähnlich wie farbige Lasuren die Anforderungen an UV-Stabilität erfüllten.

Auch in Punkto Lösemittelgehalt von Anstrichen tut sich etwas. Nach der europaweiten VOC-Richtlinie (Lösemittel-Richtlinie) soll es bis 2013 keine lösemittelhaltigen Anstriche mehr geben. Seit Anfang 2010 ist nun die zweite Phase mit deutlich verschärften Grenzwerten für lösemittelhaltige Bautenfarben, -lacke und -lasuren in Kraft. Trendsetter auf diesem Gebiet sind derzeit die Produkte der Firma Sikkens. Lacke dieses Herstellers zeigten bestes Verhalten bei Verlauf und Verarbeitung. Es seien zwar zwei Anstriche nötig. Insgesamt sei das Produkt aber nur unwesentlich teurer, und zudem sei kein störender Lösemittelgeruch mehr vorhanden, so Tobaben.

Angesichts der neuen Technologien rät Tobaben, auf Fachfirmen zu setzen: "Es gibt eine Vielzahl von Anbietern auf dem Markt." Oft sei die Beratung schlecht, und die zentrale Frage, ob die Farbe auch zum Untergrund passe, werde oftmals nur unzureichend geklärt - mit zum Teil unbefriedigenden Folgen. Solide Kostenvoranschläge und eine fünfjährige Gewährleistung sprächen zusätzlich für das Handwerk.

Vor der Entscheidung für den Anstrich sei aber zunächst die Frage der Dämmung zu klären. Denn angesichts der immer längeren Haltbarkeit der neuen Beschichtungen sei es oft sinnvoll, diese Maßnahme zur Energieeinsparung und damit zur Wertsteigerung der Immobilie zuerst umzusetzen.

Mehr Infos: www.farbe-hamburg.de