Globalisierung: Hilfe für Afrika

Töpfer: Deutsche ernähren sich auf Kosten armer Länder

Ex-Uno-Umweltchef im Abendblatt-Gespräch: "Wir müssen uns einschränken."

Hamburg. Der Klimawandel hält die Welt in Atem: steigende Meeresspiegel, weltweite Erwärmung, Gefahr durch Treibhausgase, Kriege um Wasser, Erdöl und andere Rohstoffe. Dazu immer mehr Menschen auf der enger werdenden Erde. Können wir eine Katastrophe noch verhindern? "Die Entwicklung darf nicht so weitergehen wie bisher", sagt Klaus Töpfer (70), Ex-Bundesumweltminister und Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (1998-2006). "Wir werden im Jahr 2050 mindestens 8,5 Milliarden Menschen auf dieser Erde haben. Als ich vor 70 Jahren geboren wurde, waren es 2,6 Milliarden Menschen, jetzt sind es 6,7 Milliarden."

Müssen sich in erster Linie die schnell wachsenden Entwicklungsländer einschränken? "Nein", sagt Töpfer. "Wir müssen schon bei uns selbst anfangen." Das Ziel: Lösungen zu finden, "wie wir mit weniger auskommen, damit mehr Menschen auf diesem Globus leben können".

Als Beispiel nennt er die Essgewohnheiten. Wir würden zu viel Energie verbrauchen, um Fleisch, Milch und Milchprodukte herzustellen. Töpfer: "Wir essen Erdöl, um es brutal zu sagen." Dieses Verhalten koste zu viel Flächen und Rohstoffe.

Reiche Länder wie Deutschland müssten auch alles tun, um eine wirtschaftliche Entwicklung in Afrika zu fördern, nicht als Almosen, sondern als "Konsequenzen des globalen Ungleichgewichts". Denn in den hoch entwickelten Staaten werde mehr Geld für Diät- und Abnehmprodukte ausgegeben, als in der "anderen Welt" gebraucht werde, um Menschen satt zu bekommen.

Auch im globalen Klimaschutzprozess würden sich bedeutende Schwellenländer wie Indien und China nur engagieren, wenn die westlichen Industrienationen beim Technologie-Transfer deutlich zulegten, betonte Töpfer. Diese Länder gehörten zu den Hauptbetroffenen des Klimawandels. Das Abschmelzen der Himalaja-Gletscher habe für sie schlimme Folgen. Indien und China seien bereits Wassermangelgebiete. China habe einen Anteil von etwa 20 Prozent der Weltbevölkerung, aber nur etwa sechs Prozent des Süßwasserangebots. Töpfer: "Das erklärt Maßnahmen wie den Bau großer Dämme oder die Umleitung von Flüssen in den Norden, auf die wir von Deutschland aus schockiert schauen."

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