Bedrohte Berggorillas - erneut vier Tiere getötet

Das Töten hört nicht auf. Erneut wurden friedliche Berggorillas im südlichen Teil des Virunga-Nationalparks Opfer von marodierenden Milizen. Sie erschossen drei Weibchen und den Silberrücken Senkekwe, der den Zusammenhalt und das Überleben der Gruppe garantierte. Die vier toten Gorillas wurden von Rangern auf Tragen in das Dorf Bukima (Kongo) gebracht, berichtet die Organisation Berggorilla & Regenwald Direkthilfe (B&RD). Der Trauerzug wurde von rund 70 Menschen aus den umliegenden Dörfern begleitet. Es ist ein schwerer Rückschlag für die "Gorillas im Nebel".

Es war die legendäre Dian Fossey, die diese Tiere berühmt machte. Ihrem unbeirrbaren Einsatz verdanken die Berggorilla im Osten Afrikas, dass sie noch leben. Sie war der erste Mensch, der mit den Gorillas spielte - und sie sammelte einzigartige Daten über das ausgeprägte Sozialverhalten und den Lebensraum dieser Primaten.

Bis heute sind die nebelfeuchten Bergwälder der Virunga-Vulkane und der Bwindi-Berge die letzten Zufluchtsstätten dieser bedrohten Menschenaffen. Seit 1967 werden die von dem deutschen Offizier Robert von Beringe (1865- 1940) entdeckten Primaten, allen Gefahren zum Trotz, beobachtet. Ihr Lebensraum und ihre Lebensweise sind einzigartig. Nur sie steigen so hoch in die Berge hinauf und können in so kühlem Klima überleben. Berggorillas haben daher sehr lange, seidige Haare - vor allem an den Armen. Zudem sind sie am stärksten von allen Gorillas an das Bodenleben angepasst. Ihre Füße sind den unseren sehr ähnlich.

Unsere Verwandten - das Erbgut von Mensch und Gorilla unterscheidet sich nur zu 1,6 Prozent - haben nur einen Feind: uns. Der Mensch zerstört ihren Lebensraum, die tropischen Regenwälder Afrikas, macht Jagd auf sie, bedroht sie in den Schutzgebieten. Die Ranger schätzten noch im vergangenen Jahr, dass 720 Berggorillas im Virunga-Nationalpark leben. Inzwischen sind viele von ihnen getötet worden. Mit der Familie um den Silberrücken Senkekwe "wurde eine der letzten 30 Gorillafamilien der Virunga-Vulkane mutwillig und brutal zerstört", so die Tierschützer.

Ein zentrales Problem für den Nationalpark, der im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und dem Kongo liegt, sind die vielen bewaffneten Rebellengruppen im Ostkongo. Immer wieder überfallen diese auch Rangerposten im Nationalpark. Es komme auch vor, dass Rebellen in Panik geraten und losschießen, wenn sie einer an Menschen gewöhnten Gorillagruppe begegnen, berichtet B&RD. Das wird möglicherweise auch der Familie des Silberrückens Senkekwe zum Verhängnis geworden sein. Senkekwe und seine zwölfköpfige Gruppe sind seit 1985 an die Gegenwart von Menschen gewöhnt. In den vergangenen Jahren sind gerade diese halbwilden Gruppen immer wieder von Milizionären niedergemetzelt worden. Doch "Gorilla-Watching" ist wohl die einzige Chance, damit unsere Verwandten überleben. "Mit den Berggorillas hat der Virunga-Nationalpark eine einzigartige Attraktion, die ihn auf der ganzen Welt bekannt gemacht hat", sagt Dr. Angela Meder (B&RD).

Weitere Informationen im Internet: www.berggorilla.de

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