Musik fördert Entwicklung des Gehirns

Gedächtnis und IQ lassen sich im Kindesalter durch Musikerziehung verbessern - so viel war aus früheren Studien bekannt. Jetzt zeigen kanadische Forscher, dass bereits bei Vierjährigen ein Jahr zusätzliche Musikerziehung die Hirnentwicklung messbar verändert. Nicht nur reagieren ihre Hirne anders auf Musik als die von Gleichaltrigen. Sie zeigen auch größere Fortschritte in der allgemeinen Intelligenz: bei Wortgedächtnis, mathematischem Denken, Lesefähigkeit, räumlichem Sehen.

Die Forscher berichten im Fachblatt "Brain". "Unsere Arbeit untersucht, wie Musiktraining die Entwicklung des Gehirns beeinflusst. Es wird klar, dass Musik gut für die kognitive Entwicklung der Kinder ist und dass Musik Teil des Vorschul- und Grundschul-Lehrplans sein sollte", erklärt Takako Fujioka, Neurowissenschaftler am Rotman Research Institute in Toronto. Sein Team untersuchte die Hirnentwicklung an zwölf Kindern zwischen vier und sechs Jahren. Die Hälfte der Kinder besuchte eine Musikschule, die nach der sogenannten Suzuki-Methode das Spielen von Instrumenten nach Gehör und Nachahmen lehrt. Dies trainiert das Gehör ebenso wie motorische und sensorische Fähigkeiten. Die andere Hälfte erhielt keinen Musikunterricht zusätzlich zum Kindergarten. Im Laufe eines Jahres maßen die Forscher viermal die Reaktionsabläufe im Hirn mithilfe von Magnetenzephalografie (MEG). Im Test hörten die Kinder sowohl Geigentöne als auch allgemeines Rauschen. Zudem sollten sie Harmonien, Rhythmen und Melodien beurteilen. Und sie absolvierten am Anfang und Ende des Jahres einen allgemeinen Gedächtnis- und Intelligenztest. Ergebnis: Bei allen Kindern stieg in dieser Zeit die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Töne, was zeigt, dass die Neuronen mit steigendem Alter schneller arbeiten. Auch zeigten alle mehr Reaktion auf Geigentöne als auf Rauschen, Töne mit Bedeutung werden also anders verarbeitet. Die musikgeschulten Kinder jedoch reagierten am Ende des Jahres deutlich intensiver auf die Geigentöne, zeigten stärkere Verbesserung in der Verarbeitung von Harmonien, Melodien und Rhythmus und schnitten auch im Gedächtnistest besser ab als die Vergleichsgruppe.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass ältere Kinder mit Musikunterricht größere Verbesserungen im IQ-Wert erzielten als Gleichaltrige, die Schauspielunterricht bekommen hatten. In einer Folgestudie will das Team nun untersuchen, welchen Effekt musikalisches Training auf das Hirn von Senioren hat.

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