Bei Gefahr durch Pocken: Welcher Impfstoff ist der Beste?

Phase eins des Drei-Stufen-Plans zur Vorbeugung von Pockeninfektionen hat begonnen: Die Länder richten Impfstellen ein, der Bund will bis Ende des Jahres 100 Millionen Impfdosen anschaffen. Diskutiert wird über die freiwillige Impfung von Einsatzkräften. Aber die Angst wächst, nicht nur vor Pocken, auch vor der Impfung. Eine Alternative zum Impfstoff Elstree, der im schlimmsten Fall bedrohliche Nebenwirkungen hervorrufen kann, gibt es nicht. Die Vorimpfung mit MVA (Modifiziertes Vacciniavirus Ankara), einem abgeschwächten Virus mit angeblich weniger Nebenwirkungen, sieht der Bund nicht vor. In Bayern wurden von 1977 an 150 000 Kinder mit MVA vorgeimpft. Fünf bis sieben Tage später erhielten sie die Hauptimpfung - ohne Komplikationen. Daher fordert Bayern die Freigabe von MVA. "Wir haben gute Erfahrungen gemacht", sagt Bayerns Gesundheitsminister Eberhard Sinner. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen, das die Zulassung von Impfstoffen regelt, hält dagegen: "Die Datengrundlage reicht heute nicht aus. Es gibt keine klinischen Studien", sagt PEI-Sprecherin Susanne Stöcker. Auch Hamburger Experten lehnen den Einsatz ab. "Es ist nicht erwiesen, dass die Vorimpfung mit MVA Nutzen hat. Außerdem können wir nicht einschätzen, ob der Impfstoff schadet", sagt Prof. Rainer Laufs, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie des UKE. Die Ergebnisse von damals ließen sich nicht auf heute übertragen, da sich der Immunstatus der Bevölkerung verändert habe, meint Christian Drosten vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

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