UKE-Professor Peter Riedesser starb an Krebs

Peter Riedesser war ein Anstifter. Leidenschaftlich stritt der Mediziner für die Kinder, die durch Kriege, Unfälle, Katastrophen oder...

Peter Riedesser war ein Anstifter. Leidenschaftlich stritt der Mediziner für die Kinder, die durch Kriege, Unfälle, Katastrophen oder Gewalterfahrungen seelisch verletzt worden waren. Er besaß die Gabe, Menschen mit seiner Begeisterung anzustecken. Am vergangenen Freitag erlag der international hoch geachtete Psychoanalytiker, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Eppendorf (UKE), im Alter von 63 Jahren einem aggressiven Krebsleiden. "Wir haben einen ungewöhnlich engagierten und stets aufrechten Kollegen verloren", sagte Prof. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät, und lobte sein internationales Engagement. Riedesser initiierte Hilfsprojekte für Kinder im Kosovo, in Bosnien, Albanien, Mazedonien, Syrien, Jordanien, Palästina, Israel, Nordirland, Mosambik, Uganda, Eritrea, Südafrika und im Irak. Viele Projekte baute der Freigeist mit der Stiftung "Children for Tomorrow", die Tennis-Ikone Steffi Graf gründete.

Mit dem "Lehrbuch der Psychotraumatologie" (1998), das er mit Gottfried Fischer verfasste, legte der Mediziner den Grundstein für eine neue Disziplin. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit wirkte er im Vorstand der "Ärzte gegen den Atomtod" (IPPNW), war Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. "Ruhen kann ich, wenn ich tot bin", hat er mal gesagt, um gleich darauf ein Bündel neuer Ideen und Projektskizzen zu präsentieren. "Er hat", sagt Prof. Horst-Eberhard Richter, "ärztlich-psychologische Wissenschaft in beispielhafter Weise mit ethisch-politischem Engagement verbunden."

Auch wenn Riedesser in vier Wochen im engsten Familienkreis in Süddeutschland beerdigt sein wird: Seine Ideen sind in den Projekten weltweit lebendig.