Umbau im Philturm: Alle Studenten im Treppenhaus

Bereits in der ersten Woche dieses Wintersemesters wird die Geduld vieler Studenten der Universität Hamburg auf eine harte Probe gestellt. Im Hochhaus auf dem Campus, dem Philturm, wird gebohrt, gehämmert und gebaut. Statt bequem in Aufzügen hochzufahren, müssen die Studenten immer wieder über die Treppen bis in den 14. Stock. "Bevor ich eine halbe Stunde auf einen der wenigen Aufzüge warte, gehe ich zu Fuß zur Vorlesung in den neunten Stock. Das ist zwar anstrengend, aber was soll ich machen", sagt Anna Jakulski (24), die Englisch und Geschichte studiert.

"Die Renovierungsarbeiten dienen der Sicherheit unserer Studenten", sagt Uni-Sprecher Peter Wiegand, "die Fahrstühle werden erneuert, und der Brandschutz wird auf den neuesten Stand gesetzt. Einer der Aufzüge wird zum Feuerwehraufzug ausgelegt. Außerdem wird ein Notstromaggregat eingebaut, das den Betrieb des Feuerwehraufzuges sowie der neuen Druckbelüftungsanlage sicherstellt und für die notwendige Beleuchtung im Brandfall sorgt."

Deshalb müssen die Studenten nicht nur das Hämmern und Bohren der Handwerker in Kauf nehmen, sondern auch viele Treppen steigen. Denn in dem 14stöckigen Gebäude wurde die Hälfte der Aufzüge aus dem Verkehr gezogen. Nur drei sind noch in Betrieb - für 10 000 Studierende.

Das fünfte, sechste, siebte und achte Stockwerk sind nicht mehr mit dem Aufzug zu erreichen, da hier die Aufzugs-Vorräume durch verglaste und feuerhemmende Rauchschutztür-Elemente vom Treppenhaus getrennt sind. Auf Hinweisschildern, die in jedem Stockwerk hängen, ist zu lesen: "Des weiteren wird die Nutzung des Haupttreppenhauses zum Teil nur sehr beschränkt möglich sein. Damit es in den Stoßzeiten nicht zu Engpässen in den Aufzugsvorräumen kommt, möchten wir Sie bitten, die Neben-Treppenhäuser in den Seitenflügeln zu benutzen und Fahrten, die nur über ein oder zwei Etagen führen, zu vermeiden." Das gilt aber selbstverständlich nur für Menschen, denen ein Treppengang zumutbar ist.

Deshalb gibt es eine Verfügung des Präsidiums, daß Vorlesungen, an denen Rollstuhlfahrer teilnehmen, nur dort gehalten werden, wo der Saal durch einen Aufzug zu erreichen ist. Sonst wird die Veranstaltung verlegt. Für alle anderen gilt: Treppen steigen. Und das finden nicht alle schlimm. Torben Schiffer (29), Lehramtsstudent aus Winterhude, sagt: "Fitneß tut doch gut. Ich wohne selbst im sechsten Stock eines Altbaus ohne Aufzug. Ich bin im Training." Trotzdem fragt er sich, warum die Arbeiten nicht in den Semesterferien beendet werden konnten. Gute Frage, aber die Sanierung nimmt mehr Zeit in Anspruch. Erst im Sommer des nächsten Jahres werden die Handwerker ihre Arbeiten abschließen können.

"Die Erneuerungen sind nötig. Wir haben sie schließlich nicht als Schikane eingerichtet, um die Studenten zu vergraulen", sagt Wiegand. Eine Bau- und Sicherheitsprüfung hatte ergeben, daß der Philturm sanierungsbedürftig sei. Eine Behördenauflage folgte. Wiegand: "An sich bräuchte der Turm eine vollständige Restaurierung, aber die Behörde bewilligte nur die nötigsten Maßnahmen. Eine Komplettsanierung hätte 50 Millionen Euro gekostet. Die jetzigen Baumaßnahmen kosten lediglich 3,3 Millionen. Trotzdem versuchen wir natürlich, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten."