Weltweit studieren

Auslandssemester sind in Deutschland wenig beliebt. Dabei gibt es viele Angebote, die finanziell und organisatorisch helfen.

Absolventen mit Studien- oder Praxiserfahrung im Ausland sind in Europa eine Minderheit, obwohl internationale Kompetenz immer mehr gefragt ist. Oft mangelt an Geld, Mut oder Informationen, um sich ins Ausland zu trauen. Dabei gibt es eine breite Palette von Stipendien und Förderungen, Informations- und Vermittlungsangeboten, und im Ausland eröffnen sich oft weitere Finanzquellen.

Nur zehn Prozent der deutschen Magister und Diplomanden wagen sich ins Ausland. "In diesem Semester haben an der Universität Hamburg 1000 der 40 000 Studenten ein Auslandssemester beantragt", sagt Uni-Sprecher Peter Wiegand. Als erste Information empfiehlt er das Internet (www.uni-hamburg.de). Dort führt eine Liste alle in Deutschland zu beantragenden Förderangebote auf, vom Auslands-BAföG über Stipendien des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD), der Fulbright-Kommission, Stiftungen bis zum Austauschprogramm der Europäischen Union (ERASMUS).

Die Kriterien, nach denen Geld fließt, sind unterschiedlich. Studenten sollten über das Gastland und ihre Ziele im Klaren sein. Interessen, Sprachkenntnisse und Studien- oder Ausbildungsausrichtung sind entscheidende Förderkriterien. Wichtigste Voraussetzung ist die Eigeninitiative - meist müssen Studenten ihren Praktikumsplatz oder ihr Studienprojekt selbst organisieren. Dafür lohnt es sich, zuerst im Akademischen Auslandsamt und in den Fachbereichen nach Kontakten ins Ausland zu fragen. Außerdem informieren die Botschaft oder das Konsulat des Gastlandes, Kulturinstitute und die Europäischen Berufs- und Beratungszentren (EBZ) über Jobs, Praktika und Studienmöglichkeiten. Auch deutsche Auslandshandelskammern helfen: "Ich habe meinen New York-Aufenthalt über die Handelskammer organisiert", sagt Florian Ganssen (28), der während seines BWL-Studiums in der dortigen Deutsch-Amerikanischen Handelskammer acht Monate gearbeitet hat. Studentenorganisationen wie Aiesec übernehmen die Betreuung vor Ort.

Für Auslandsaufenthalte werden am häufigsten Stipendien von DAAD und ERASMUS genutzt, über die das Akademische Auslandsamt informiert. Kooperationen mit Partnerunis erleichtern beim Austauschprogramm ERASMUS etwa das Einschreiben, die Teilnahme an Sprachkursen oder die Anerkennung von Leistungsnachweisen. "Doch kann man als ERASMUS-Student nur mit 100 Euro im Monat rechnen, viele suchen sich noch einen Job", sagt Margret Becker (23). Sie hat über ERASMUS ein Jahr in Strasburg Jura studiert. Dagegen ist ein DAAD-Stipendium für Frankreich rund 350 Euro im Monat wert. Die Studienstiftung des Deutschen Volkes fördert je nach Zielland mit 750 bis 1000 Euro.

Im Ausland tun sich oft weitere Finanzquellen auf. Sonja Görnitz (30) bewarb sich in Australien für das 2000-Dollar-Stipendium "Travel Grant" der Uni Sydney, das ihr ein Praktikum in Tokio ermöglicht hat. Ihr Tipp: "Mit offenen Augen durch die Welt gehen und hartnäckig sein."