Spannende Stadtgeschichte

Führungswechsel: Neuer Chef im Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

Stabübergabe im Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Uni Hamburg am Allendeplatz. Auf Prof. Gerhard Ahrens folgt nach 25 Jahren Prof. Franklin Kopitzsch als C3-Professor - nun auch offiziell. Kopitzsch, zuletzt Professor in Bremen, hatte die Institutsleitung bereits kommissarisch inne. Er war dafür mehrmals wöchentlich zwischen Hamburg und Bremen gependelt, um an beiden Universitäten Lehr- und Forschungsverpflichtungen wahrzunehmen. Zusätzlich übernimmt er die Leitung der vor elf Jahren initiierten "Arbeitsstelle für Hamburgische Geschichte". Ahrens, der die Arbeitsstelle 1991 aus der Taufe gehoben hatte und jetzt in den Ruhestand ging, sagte vor mehr als hundert Gästen: "Jedes Bundesland leistet sich einen eigenen Lehrstuhl für Landesgeschichte, in Hamburg nehmen wir diese Aufgaben wahr." Die Stimmung während der Feier war nicht ungetrübt, weil die Zukunft des Instituts im Dunkeln liegt. Möglicherweise wird es in der neuen "unabhängigen Sektion" Wirtschafts- und Sozialwissenschaften aufgehen, vielleicht kommt auch die Zusammenlegung mit dem Historischen Seminar. Gespräche stehen bevor, zurzeit sind die Mitarbeiter weder über den Standort noch über Stellenbesetzungen informiert. Dabei können sich die wissenschaftlichen Erträge des Instituts sehen lassen. Die Zahl der Dissertationen und Habilitationen ist beachtlich, ebenso die der Einzelveröffentlichungen. Die regelmäßigen Sitzungen des Arbeitskreises für Regionalgeschichte sind oft überfüllt, die damit verbundenen Tagungen binden Institutionen aus der ganzen Stadt. In den Sitzungen wird offen diskutiert - über Forschungsvorhaben, über die Tagungsbände oder neue Bücher. Die Buch-Reihe "Veröffentlichungen" des Lit-Verlages gehört dazu, der Arbeitskreis gibt eine Zeitschrift heraus - die "Mitteilungen" sind zum 40. Mal erschienen. Das Institut will kein Elfenbeinturm sein - in der Arbeitsstelle sind das "Hamburg Lexikon" und die "Hamburgische Biografie" entstanden - im Stadtgefüge unverzichtbare Standardwerke, und es bestehen enge Verbindungen zu Einrichtungen wie dem Verein für Hamburgische Geschichte und dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden. Kopitzsch machte in seiner Festrede deutlich, dass er das besondere Profil des Instituts auch zukünftig deutlich herausstellen will, außerdem sind engere Verbindungen zu Hamburgs Stiftungen und anderen Mäzenen geknüpft.

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