Sammlung: Ob Elvis' Locke, eine sechsfüßige Kuh - ungewöhnliche Exponate in 30 Museen

Das skurrile Reich des Mr. Ripley

Der Amerikaner Robert Ripley eröffnete 1933 in Chicago seine erste Ausstellung, in der Kuriositäten zu bestaunen sind.

Die größte Schrumpfkopfsammlung der Welt, einen 1448 Kilo schweren Meteoriten und ein Stück der Berliner Mauer sind nur einige der sonderbaren Ausstellungsstücke, die Besucher in den Museen mit dem eigenwilligen Titel "Ripley's - Believe It or Not! Odditorium" bestaunen können. Der Name ist Programm: "Unglaublich, aber wahr!" Auch Haarlocken von Elvis Presley, John F. Kennedy und George Washington gibt es zu sehen. Ein zweiköpfiges Kalb, eine sechsfüßige Kuh und eine Albino-Giraffe konkurrieren mit einer Sammlung olympischer Fackeln um die Aufmerksamkeit des Publikums.

Im Juli 1933 eröffnete Robert Leroy Ripley in Chicago, Illinois, sein erstes Museum, in dem er seine in der ganzen Welt selbst zusammengetragenen Kuriositäten (engl. oddities) präsentierte. Schon zwei Jahre später folgte das "Odditorium" San Diego (Kalifornien), 1936 kam Dallas (Texas) dazu, 1937 Cleveland (Ohio). Heute gibt es "Ripley's Believe It or Not!" 30-mal auf der ganzen Welt: unter anderem in Japan, Australien, Malaysia und Thailand. Europäer fahren nach London oder Kopenhagen. Mehr als 13 Millionen Besucher staunen jedes Jahr über die seltsamen Sammlungen.

Bei der großen Eröffnungsfeier von Nummer 30 am Times Square vergangenen Monat fehlten auch skurrile Gäste nicht: Ein Eidechsenmann, über und über mit grünen Schuppen tätowiert, und die Frau mit den längsten Fingernägeln der Welt (7,51 Meter) gehörten zu den Gratulanten.

Skurril war auch der Gründer dieses Imperiums. Robert Leroy Ripley wurde 1890 in Santa Rosa, Kalifornien geboren. Schon mit 13 Jahren spielte er halb professionell Baseball und illustrierte die Werbeplakate der Spiele. Mit 14 verkaufte Ripley seinen ersten selbst gezeichneten Comic an das US-Magazin "Life". Sein Traum von einer Baseball-Karriere zerplatzte, als er sich in seinem ersten Profiliga-Spiel den Arm brach. Fortan arbeitete Ripley als Cartoonist und Sportjournalist in San Francisco und später für den "New York Globe". Für die Zeitung reiste er durch die Welt, um bemerkenswerte sportliche Leistungen in Comics umzusetzen. Auf seinen Fahrten begegneten ihm die ungewöhnlichsten Sportarten. Er sammelte und veröffentlichte sie 1918 als Cartoon unter dem Titel "Believe It or Not!" - ein durchschlagender Erfolg.

Ständig auf der Suche nach neuen bizarren Geschichten, besuchte Ripley Länder und Leute, von denen die meisten Amerikaner noch nicht einmal wussten, dass sie existieren. Im Laufe seines Lebens bereiste er 201 Staaten und legte dabei eine Strecke zurück, die 18 Erdumrundungen entspricht. Mit nach Hause brachte der Weltenbummler absonderliche Souvenirs.

Eine neun Meter lange Boa constrictor hielt sich Ripley als Haustier. Bis zu fünf Frauen, lebten gleichzeitig in seinem Haus. Passend zu Ripleys ungewöhnlichem Leben war sein Tod: Während der Aufzeichnungen zur 13. Episode seiner Fernsehserie starb der 58-Jährige an einem Herzinfarkt. Die Folge behandelte das Thema Tod und Totenrituale.

Die außergewöhnlichen Menschen, die Ripley traf, seine erstaunlichen Mitbringsel und Erlebnisse stellte er in seinen Comics vor. Durch seine Radioshows wurde er zu einer nationalen Berühmtheit. 1936 wurde Ripley zum "Populärsten Mann Amerikas" gewählt - vor dem Präsidenten.

Ripleys Erbe lebt mit der Ripley Entertainment Inc. in den Museen weiter. Noch heute erscheinen täglich neue "Believe It or Not"-Zeichnungen in fast 200 Zeitungen rund um den Erdball, in 42 Ländern und 17 Sprachen. Die 1918 erstmals gedruckte Cartoonserie ist somit die langlebigste der Welt. Ein 31. "Odditorium" soll Ende des Jahres in Indien eröffnet werden.

Von Anfang an rief Ripley seine Fans dazu auf, selbst Fotos und Material einzureichen. Wöchentlich gehen oft über 170 000 Briefe ein. So entstand eine riesige Datenbank mit außergewöhnlichen Fakten, Menschen und Geschehnissen, ein Fotoarchiv, das ständig wächst, und ein Lagerhaus voller Exponate, die darauf warten, ausgestellt zu werden.

Im Juli 2006 erschien die erste Ausgabe von "Ripley's Einfach unglaublich". Ein Buch voll mit verrückten Rekorden: die tödlichsten Meerestiere, die fantasievollsten Grabsteine, der schwerste Mann (über 600 Kilo) und die größte Popcornskulptur (vier Meter hoch, 800 Kilo) der Welt. 2009 erscheint der Paramount Pictures Film "Believe It or Not" mit Jim Carrey als Robert Ripley. Inzwischen gibt es auch eine Website (www.ripleys.de), auf der jeder in diesem skurrilen Reich stöbern und ungewöhnliche Fakten und Rekorde melden kann.