Doppelte Erträge durch Bio-Landwirtschaft

Eine Studie widerlegt alte Vorurteile: Es stimme einfach nicht, dass biologische Landwirtschaft nur magere Ernten einbringe, sagen US-Forscher. Ebenso wenig würden mehr Menschen ohne die chemisch-technische Landwirtschaft verhungern. Die Untersuchung der Wissenschaftler zeigt das Gegenteil: In entwickelten westlichen Ländern sind die Erträge von konventionellen und von ökologisch ausgerichteten Betrieben beinah gleich hoch. Und in den weniger entwickelten Ländern könnten die organischen Methoden die Ernte verdoppeln oder gar verdreifachen - auf den bisher vorhandenen Flächen, von denen einige kaum bewirtschaftet werden.

Auch widerlegten die Forscher das Argument der konventionellen Landwirtschaft, dass nicht genügend akzeptable organische Düngemittel vorhanden seien. Fazit: Eine Umstellung auf Bio-Anbau würde die Nahrungsversorgung der Welt nicht gefährden. Sie könnte aber die negativen Umwelt- und Gesundheitsfolgen durch Kunstdünger und Pestizide vermeiden, heißt es im Fachblatt "Renewable Agriculture and Food Systems".

"Die Erträge in sich entwickelnden Ländern könnten sich durch den Umstieg auf Öko-Landbau dramatisch erhöhen", so Ivette Perfecto, Ökologie-Professorin an der University of Michigan. Ihr Team aus Studenten der eigenen Hochschule und der Michigan State University zog einen groß angelegten Vergleich: An 293 Beispielen aus aller Welt betrachteten sie die Erntemengen verschiedener Feldfrüchte und die Mengen verfügbarer Stickstoffquellen als Dünger. Stickstoff kann in Form von Kunstdünger auf die Felder aufgebracht werden, er steht aber auch in sogenanntem Gründünger zur Verfügung: Pflanzen wie Ackerbohnen oder Lupinen als Zwischenfrucht binden den Stickstoff im Boden, der nach dem Unterpflügen der Pflanzen langsam wieder freigesetzt wird.

Perfectos Team zeigte im Computermodell, dass der organische Landbau auf den vorhandenen Flächen ausreichen dürfte, die derzeitige Bevölkerung zu ernähren, vermutlich sogar auch eine wachsende Bevölkerung. Auf der anderen Seite ließen sich negative Folgen der herkömmlichen Landwirtschaft reduzieren oder komplett vermeiden: durch Regen abgeschwemmte Düngemittel, die zum Absterben kleiner Gewässer führen, Bodenerosion, Emission von Treibhausgasen, Pflanzenresistenz gegen Schädlinge und sinkende Artenvielfalt.

Perfecto betonte, dass viele Agrarstudien stark durch die Interessen der Chemie-, Pestizid- und Düngemittelindustrie beeinflusst seien. Dazu gehöre auch die Aussage, deren Produkte seien notwendig für die Welternährung. Die Veröffentlichung dieser Studie, so Perfecto, sei durch diese andauernde Diskussion des Themas ausgelöst worden: "Ich hoffe, wir können endlich die Idee begraben, dass man mit organischer Landwirtschaft nicht genügend Nahrungsmittel produzieren kann."

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