Aufwindkraftwerke - technisch einfach und umweltfreundlich

Bringen Aufwindkraftwerke die Lösung der Energieprobleme? Ihr technisches Prinzip ist einfach und umweltfreundlich. Allerdings ist die Technik kaum erprobt. In Namibia wird über ein Kraftwerk nachgedacht, unter dessen Glasdach zusätzlich Landwirtschaft betrieben werden soll.

1931 beschrieb der Technikautor Hanns Günther in seinem Buch "In hundert Jahren" die Funktionsweise eines Thermikkraftwerks. In den 70er-Jahren entwickelte der Stuttgarter Ingenieur Prof. Jörg Schlaich die Idee weiter. Das Prinzip: Warme Luft steigt hoch. Um Energie daraus zu gewinnen, wird in einem Treibhaus Luft von der Sonne erwärmt. Durch einen Schlot in der Mitte entweicht die erwärmte Luft und treibt Turbinen an, die aus dem Sog Strom erzeugen. So weit die Theorie.

"Aufwindkraftwerke sind gut durchdacht. Ich wundere mich, dass es so lange dauert, bis sich diese Idee durchsetzt", sagt Prof. Uwe Starossek, Leiter des Instituts für Baustatik und Stahlbau an der TU Harburg.

In der Praxis benötigt ein Aufwindkraftwerk Sonne und viel Platz. Im spanischen Manzanares entstand Anfang der 80er-Jahre, mitgefördert vom Bundesforschungsministerium, ein Testkraftwerk. Auf einer Fläche von 44 000 Quadratmetern wurde eine Glasfläche errichtet, der Schlot reichte 200 Meter hoch. Neun Jahre wurden Messdaten erhoben, bis ein Sturm die ursprünglich für drei Jahre konzipierte Anlage zerstörte.

Doch Schlaich ließ sich nicht entmutigen. Er glaubt, vor allem in Entwicklungsländern günstigen Strom produzieren zu können. Das Kraftwerk benötige wenig Wartung. Doch um viel Strom zu produzieren, muss das Kraftwerk groß angelegt sein.

Um eine Stadt mit 200 000 Einwohnern zu versorgen, wäre eine Leistung von 200 Megawatt nötig. Dafür wäre eine Glasfläche von mehreren Kilometern Durchmesser und ein Schlot von mehreren Hundert Metern Höhe notwendig.

"Kein Problem", sagt Physiker Wolf-Walter Stinnes. Er möchte mit seiner südafrikanischen Firma GreenTower in Namibia eine Anlage bauen mit einer Leistung von 400 Megawatt. Sie soll den Gesamtbedarf des Landes decken.

Das Treibhaus für sein Werk bei Arandis nahe Swakopmund soll eine Fläche von 40 Quadratkilometern erhalten und der Schlot 1500 Meter hoch sein - dreimal so hoch wie das höchste Gebäude der Welt, der Taipei-Tower in Taiwan mit 508 Metern.

32 Turbinen sorgen für die Umwandlung in Strom. Außerdem sollen Obst und Gemüse unter dem Glasdach angebaut werden. Stinnes: "Wir arbeiten mit Universitäten und Unternehmen aus Deutschland und Afrika zusammen. Die Entwicklung ist marktreif. Wir haben Vertrauen, dass wir es schaffen."

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