OXFORD/CAMBRIDGE: FRAGENMARATHON

Wann ist das Tote Meer gestorben?

London. Das Studium an den britischen Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge gilt als garantiertes Sprungbrett für eine erfolgreiche Laufbahn. Studienplätze an den Kaderschmieden der beiden Universitäten sind begehrt. Viele, die vielleicht das geistige Rüstzeug haben, scheitern kläglich am Auswahlverfahren der renommierten Lehranstalten. Denn die Bewerber werden mit ausgeklügelten Fragen hoffnungslos in die Enge getrieben.

Wer zum Beispiel beantworten soll, was man von der Südwand des Warwick Castle lernen kann, sollte schon mal dort gewesen sein. Denn da befindet sich eine authentische Nachbildung der gewaltigsten Belagerungsmaschine der Welt, eine 18 Meter hohe Steinschleuder (www. warwick-castle.co.uk). Hier lässt sich einiges über Kriegführung erfahren.

Genau hier setzt die Arbeit der Beratungsfirma Oxbridge Applications an. Das Londoner Unternehmen bereitete schon mehr als 20000 Studenten systematisch auf das Auswahlverfahren vor. Mit Erfolg. Während im Schnitt nur jeder vierte Bewerber (26 Prozent) einen Platz in Oxford oder Cambridge erhält, rühmt sich Oxbridge, 46 Prozent, fast jeden Zweiten, durchzuboxen.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt in einem Netzwerk von Absolventen und ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeitern, die Einblick in die Bewerbungstortur geben.

So sollen Architekturstudenten ihr Fach mit Musik vergleichen, Physikstudenten müssen erklären, ob man mehr Regenwasser abbekommt, wenn man geht oder rennt. Und sie sollten wissen, ob eine heiße Tasse Kaffee schneller abkühlt, wenn die Milch vor oder nach dem Umrühren hinzugegossen wird.

Nicht alle Kopfnüsse lassen sich problemlos lösen. Oft soll der Bewerber zeigen, ob er analytisch denken kann.

Die Frage etwa, ob in einem Raumschiff eine Kerze angezündet werden kann, ist irreführend, denn der Nasa gelang dies vor einigen Jahren tatsächlich. Die Flamme war blau und kugelrund.

Wer zur Elite gehören will, muss auch mal um die Ecke denken können. Etwa: wann ist das Tote Meer gestorben? (Karsten-Thilo Raab)

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