Diese Tiere können trauern

Verhaltensforschung: Erstaunliche Fähigkeit zum Mitgefühl

Der berühmte Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989) erntete noch viel Spott, als er davon sprach, auch Tiere hätten ein Gefühlsleben. Dies schloss er aus Beobachtungen seines Hundes Bully, einer Mischung aus Chow-Chow und Schäferhund: "Leiden und Freude bei den Tieren sind wahrscheinlich sogar intensiver als bei uns", meinte er, weil ihnen die Sprache als Verständigungsmittel fehle und sie "nicht die Bremse des Rationalen" hätten. Tiere waren für ihn "Gefühlsmenschen mit äußerst wenig Verstand".

Neue Beobachtungen über trauernde Tiere haben jetzt britische und US-Forscher in einem Wildgehege in Kenia gemacht. Sie fanden bestätigt, dass Elefanten beim Verlust vertrauter Artgenossen eine dem Menschen ähnliche Fähigkeit zu Mitgefühl zeigen. Eine Elefantenmutter war gestürzt und gestorben. Eine nicht verwandte Elefantenkuh, von den Forschern Grace genannt, wollte dem sterbenden Tier helfen. Sie richtete die gefallene Eleanor mit den Stoßzähnen auf - doch vergeblich.

Nach dem Tod von Eleanor zeigten alle Elefanten Interesse an der Leiche: Sie stupsten sie an, hoben einen Fuß über sie oder schnieften mit den Rüsseln. "Das führt uns zu der Schlussfolgerung, dass Elefanten ein grundsätzliches Empfinden für Leiden und Tod haben und es nicht auf ihre Horde begrenzt ist", berichten die Experten. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung werden in diesem Monat im Wissenschaftsmagazin "Applied Animal Behaviour Science" veröffentlicht.

Die meisten Tiere zeigen wenig Interesse an toten Artgenossen. Nur von Schimpansen und Delfinen sei ebenso bekannt, dass sie Mitgefühl für kranke und tote Tiere zeigen können, berichten die Forscher weiter.