Tokio/Washington. Japan ist eine weiche Landung auf dem Mond wohl gelungen. Ein Bauteil des Landers „SLIM“ macht aber Probleme. Das Ende der Kapsel „Peregrine“, der die erste kommerzielle Mondlandung misslang, ist besiegelt.

Japan ist die geplante weiche Landung auf dem Mond nach Stand vom Freitagabend wohl geglückt - allerdings kam es zu Problemen bei der Energieversorgung. Das Solarpanel liefere keinen Strom, hieß es bei einer Pressekonferenz mit Experten von Japans Raumfahrtagentur Jaxa.

Der Lander „SLIM“ (Smart Lander for Investigating Moon) kommuniziere aber bisher noch mit der Bodenstation, es würden Daten empfangen. Die Kapazität der Batterie reiche voraussichtlich noch für einige Stunden, so lange sollten möglichst viele Daten gewonnen werden.

Japan ist, sollte es beim Stand einer weichen Landung bleiben, nach der ehemaligen Sowjetunion, den USA, China und Indien das fünfte Land, dem eine sanfte Landung auf dem Erdtrabanten gelungen ist.

Weitere Erkenntnisse seien erst mit neuen Auswertungen zu erwarten, hieß es am Abend. Nach bisherigem Stand sei das Solarpanel nicht beschädigt. Ob eine ungünstige Ausrichtung oder andere Probleme vorliegen, blieb zunächst unklar. Ebenso, ob es eine Lösung geben und das Panel demnächst doch noch Strom liefern könnte. Auch ob die unbemannte Landung wie geplant innerhalb einer Zone von 100 Metern erfolgte, konnte noch nicht gesagt werden.

„Peregrine“-Mission wird wiederholt

Im April vergangenen Jahres war ein japanisches Privatunternehmen bei einer ähnlichen Mission gescheitert. Als Grund hatte das Unternehmen Ispace eine fehlerhafte Höhenberechnung des Landegeräts angegeben.

Vor rund zehn Tagen war es dann dem US-Unternehmen Astrobotic misslungen, den Lander „Peregrine“ erfolgreich loszuschicken. Der Start der US-Mission hatte noch geklappt, danach gab es Probleme mit dem Antriebssystem. Den Ingenieuren gelang zeitweise eine Stabilisierung der Kapsel, das Ziel einer Mondlandung musste aber aufgegeben werden. Es habe wohl ein Ventil nicht richtig funktioniert, sagte Astrobotic-Chef John Thornton bei einer Pressekonferenz. Es wäre die erste private Landung auf dem Mond überhaupt geworden.

Nach Abstimmung unter anderem mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa entschied Astrobotic sich dazu, die Kapsel am Donnerstag kontrolliert abstürzen zu lassen - unter anderem um das Risiko unkontrolliert herumfliegenden Weltraumschrotts zu vermeiden, wie Thornton sagte. Am Donnerstag gegen 22.00 Uhr MEZ habe man dann wie erwartet den Kontakt zu der Kapsel verloren. Das deute darauf hin, dass die Kapsel wie geplant kontrolliert über dem Südpazifik abgestürzt und in der Erdatmosphäre verglüht sei. Dafür gebe es inzwischen auch eine unabhängige Bestätigung.

Schon Ende des Jahres will Astrobotic den nächsten Versuch starten: Dann solle der „Griffin“-Lander zum Mond geschickt werden, unter anderem mit einem Nasa-Rover an Bord. Derzeit sei der Start für November geplant, zuvor müssten aber noch die Probleme mit „Peregrine“ ausgiebig untersucht werden.

„SLIM“ seit September unterwegs

Der japanische Lander „SLIM“ war an Bord einer Trägerrakete vom Typ H2A im vergangenen September vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima zum Mond aufgebrochen. Japans Raumfahrtagentur Jaxa hatte gehofft, dass eine erfolgreiche Präzisionslandung der 2,4 Meter hohen Sonde den Übergang von einer Ära des „Landens, wo wir können“ zu einer Ära des „Landens, wo wir wollen“ einleitet.

Die Fähigkeit zur punktgenauen Landung und Informationen von „SLIM“ zur Oberflächenbeschaffenheit des Mondes sollen bei künftigen Mondmissionen zum Einsatz kommen, zum Beispiel im Rahmen des von den USA geleiteten „Artemis“-Programms. Dabei will die Nasa nach mehr als 50 Jahren wieder Menschen auf den Mond bringen - allerdings wurde die Mondlandemission „Artemis 3“ erst vorige Woche auf September 2026 geschoben.

Experten führen die Probleme bei den heutigen Mondlandungen unter anderem darauf zurück, dass seit den Missionen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre viel Wissen verloren gegangen ist. Die damals beteiligten Forscher und Ingenieure seien mittlerweile sehr alt oder tot und könnten ihr Wissen nun nicht mehr einbringen, hatte Ulrich Walter, Professor für Raumfahrttechnik an der TU München und ehemaliger Astronaut, kürzlich erklärt. „Wir fangen heutzutage praktisch wieder bei null an.“

Mondfähren seien zudem heutzutage mit sehr viel mehr Software ausgestattet als früher. Das habe zwar Vorteile, beispielsweise könnten Flugmanöver spontan angepasst werden. Andererseits sei Software aber auch fehleranfällig. „Ich schätze, dass bei rund der Hälfte der misslungenen Mondlandungen in den vergangenen Jahren fehlerhafte Software der Grund war“, sagte Walter.

Japan will unverzichtbarer Partner werden

Insbesondere China und Indien profitierten davon, dass sie seit mehreren Jahrzehnten lückenlos ihre Raumfahrt weiterentwickeln, so Walter. Bis 2030 sollen nach Plänen der chinesischen Regierung Landsleute auf dem Mond stehen - bei weiteren Verzögerungen im „Artemis“-Programm ist somit nicht undenkbar, dass sie dort eher herumlaufen als die ersten neuen US-Mondgänger.

Zu den Missionen im Zusammenhang mit „SLIM“ gehört nach Angaben der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei Asia“ ein gemeinsames Projekt mit Indien, bei dem es um die Erkundung von Wasservorkommen in den Polregionen im Jahr 2025 gehen soll. Hinzu komme die Entwicklung eines Rovers durch den Autoriesen Toyota Motor und den Konzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) für den Einsatz von Astronauten auf dem Mond. Beide Unternehmen werden demnach voraussichtlich noch in diesem Jahr mit der Entwicklung eines Modells beginnen, das im Jahr 2029 starten solle.

Im Gegensatz zu den USA, Indien oder China verfüge Japan heute nicht über die finanziellen Mittel, um selbst große Raumfahrtmissionen durchzuführen, so die „Nikkei Asia“. Japans Strategie sei daher, Technologien zu entwickeln und ein unverzichtbarer Partner zu werden.