Berlin

Haarige Plagegeister breiten sich aus

Eichenprozessionsspinner fressen Bäume kahl – und ihre giftigen Haare schmerzen

Berlin. Die kleinen gefräßigen Raupen mit giftigen Härchen breiten sich in Deutschland immer weiter aus. In diesem Jahr hat das Wetter dem Eichenprozessionsspinner dabei besonders geholfen. „Im Frühjahr hatten die geschlüpften Raupen einen guten Start“, sagt der Insektenkundler und Förster in Sachsen, Thomas Sobczyk. Die Wärme sei dieses Jahr spät gekommen, aber genau zum richtigen Zeitpunkt für die Raupen.

Durch die lange warme Zeit im Frühjahr hätten viele überlebt und sich schnell entwickelt. „Etwa vom 10. bis 15. Juli rechnen wir schon mit dem Schlüpfen der Falter, zwei Wochen früher als sonst“, sagt Sobczyk. „Wenn man Nester absaugen lassen will, dann muss man das jetzt angehen.“ Die weißgrauen Gespinste mit einem Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern sitzen meist an Eichen- und manchmal auch an Hainbuchenstämmen, oft auch in der Baumkrone. „Man wird sie nie alle finden“, meint Sobczyk.

Die Raupen können Eichen kahlfressen, aber auch für Menschen gefährlich werden. Ihre Härchen führen zu Pusteln und Hautausschlag. Habe es einen erwischt, helfe viel kaltes Wasser zum Abwaschen, rät Sobczyk. Der Ausschlag heile in der Regel von selbst aus. Die Haare können in seltenen Fällen jedoch auch Atembeschwerden, Atemnot, Augenreizungen oder gar einen allergischen Schock auslösen.

Im nordrhein-westfälischen Velbert führten die Tiere in diesem Jahr zu Unterrichtsausfall. Rund 400 Kinder durften nach Stadtangaben zuhause bleiben, weil Fachleute die Raupen mit einem Spezialgerät von 17 Bäumen auf dem Schulgelände absaugen mussten. Dabei bestand die Gefahr, dass die giftigen Raupen-Härchen vom Wind verbreitet werden. Andernorts wurden Spazier- und Radwege wegen der Raupen gesperrt.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von gerade einmal 25 bis 30 Millimetern. Seinen Namen erhielt er, weil seine Raupen nachts gemeinsam wie bei einer Prozession vom Nest in die Baumkrone krabbeln und dort fressen.

Gefährlich für Menschen sind vor allem die Brennhaare, die sich festhaken und Gift enthalten. „In Alleen und Parks sind die Brennhaare ein deutlich größeres Problem als der Raupenfraß an den Blättern“, sagt Sobczyk.