Potsdam

Affen erkennen Irrtümer anderer

Film-Versuche mit Primaten widerlegen eine bisherige Annahme der Wissenschaft

Potsdam. Menschenaffen können einer Studie zufolge erkennen, dass andere von einer falschen Annahme ausgehen. Forscher aus Leipzig und Kyoto (Japan) veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Science“. Bislang dachte die Wissenschaft, nur Menschen seien dazu fähig.

Die Forscher zeigten den Menschenaffen einen Film und zeichneten dabei deren Augenbewegungen auf. In dem Film sieht ein Beobachter, wie sich ein Mann in einem King-Kong-Kostüm hinter einem Heuhaufen versteckt. Dann verlässt der Beobachter die Szene und King Kong versteckt sich erst hinter einem anderen Heuhaufen und läuft dann weg. Nun kommt der Beobachter wieder herein. Wo wird er suchen?

Menschen können diese Frage etwa ab einem Alter von vier Jahren beantworten. Erst dann können sie die Perspektive eines anderen einnehmen und deren Wissensstand berücksichtigen. Eine Fähigkeit, die sich „Theory of mind“ nennt, und die in dem Verständnis gipfelt, dass andere sich irren können („false-belief“). Aber auch bei etwa zweijährigen Kleinkindern konnten mit einfacheren, nonverbalen Tests „Theory of mind“-Fähigkeiten nachgewiesen werden. Die Forscher zeichneten dabei Augen- und Blickbewegungen auf.

Diese Methode übernahm das Team um Christopher Krupenye vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre
Anthropologie in Leipzig und Fumihiro Kano von der Kyoto University. Tatsächlich vermuteten die meisten der 40 Affen, dass der Beobachter im Film „King Kong“ hinter einem der Heuhaufen suchen würde. Nach Schlussfolgerung der Forscher erkennen die Primaten, dass nicht die Realität, sondern Annahmen für die Handlungen anderer entscheidend sind.Für Krupenye bedeuten die Ergebnisse eine Wende: „Es ist das erste Mal, dass Tiere einen False-belief-Test bestanden haben. Die Studie zeigt, dass diese Fähigkeit kein alleiniges Wesensmerkmal der Menschen ist.“ Die Forscher geben aber zu bedenken, dass es eine abweichende Erklärung für die Affen-Reaktion geben könnte. So könnten sie glauben, der Beobachter im Film suche grundsätzlich nach Dingen, selbst wenn er wisse, dass sie nicht mehr da seien.