Kleinkind starb an Masern – Schule wieder geöffnet

Politiker und Mediziner diskutieren, wie sich die Impfquoten verbessern lassen

Berlin. Das Berliner Uniklinikum Charité hat den Maserntod eines Kleinkinds bestätigt. Der vorläufige Obduktionsbericht liege vor, teilte die Klinik am Dienstag mit. „Bei dem Kind lag eine Erkrankung vor, die ohne die Masern-Infektion nicht zum Tode geführt hätte“, hieß es darin. Der Fall und eine Masern-Welle in Berlin mit bislang mehr als 570 Erkrankten hatten eine Debatte um die Impfpflicht ausgelöst.

Auch am Dienstag sprachen sich Politiker und Mediziner dafür aus. Der Todesfall solle „Anlass sein, jetzt zu einer Impfpflicht gegen Masern zu kommen“, sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery den „Ruhr Nachrichten“. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis warnte gegenüber der Zeitung „Die Welt“ vor einer Ausbreitung der Krankheit auf weitere Länder und riet, alle Kinder zu impfen.

Der Schutz sei „in Abwägung zur Erkrankung mit möglichen Folgeschäden das klar bessere und risikoärmere Mittel“, sagte der Neuköllner Stadtrat für Gesundheit, Falko Liecke, laut einer Mitteilung. In dem Bezirk wurden bisher mehr als 100 Fälle gemeldet. Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) schließt die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht für Kinder nicht mehr aus – aber nur als allerletztes Mittel. „Klar ist: Das würde einen erheblichen Eingriff in das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und in das Sorgerecht der Eltern bedeuten“, sagte Huml am Dienstag dem „Münchner Merkur“.

Dagegen hält die rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) eher Beratungsangebote für geeignet als Mittel gegen eine Masern-Welle. In Rheinland-Pfalz seien Informationen über Impfungen fester Bestandteil der Früherkennungsuntersuchung bei Kindern, sagte sie am Dienstag: „Das ist ausschlaggebend für eine gute Impfquote.“ Eine Impfpflicht sehe sie skeptisch.

Die am Montag wegen Masern geschlossene Schule in Berlin-Lichtenrade hat den Unterricht am Dienstag wieder aufgenommen. Auslöser der vorsorglichen Schließung war ein an Masern erkrankter Jugendlicher. Das Gesundheitsamt habe inzwischen die Impfbücher von Mitschülern und Lehrern überprüft, sagte die Bezirksstadträtin für Gesundheit. Vom Unterricht ausgeschlossen worden seien fünf Schüler, die keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen konnten. Sie müssen diesen nun nachholen.

Einen weiteren Todesfall bei einem Kleinkind in Berlin meldet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Ein knapp zwei Jahre alter Junge sei Anfang Februar an den Folgen einer Meningokokken-B-Infektion gestorben. Gegen diese Krankheit könne ebenfalls geimpft werden. Pro Jahr sterben den Angaben zufolge bis zu 30 Kinder in Deutschland daran. Die Impfung sei allerdings noch nicht Teil des Impfplans der Ständigen Impfkommission und müsse oft von Eltern selbst bezahlt werden.